Bulle & Bär
Kaum Aufwand

Der Kleinanleger – das gierige Wesen? Beinahe möchte man dieser provokanten These zustimmen, ginge es nur um die Börsengänge in diesem Jahr. Denn hier haben Kleinanleger ihre Zurückhaltung der letzten Jahre aufgegeben und überraschend viele Aktien gezeichnet.

FRANKFURT/MAIN. War der Anteil der Privatanleger bei den Aktienplatzierungen des vergangenen Jahres oft kaum der Rede wert, so lag er beispielsweise bei der Emission des Solar-Unternehmens Conergy im März bei rund zwanzig Prozent. Die weniger schöne Überraschung folgte für Vorstandschef Hans-Martin Rüter ein Vierteljahr später: Der Anteil der Kleinanleger war in den einstelligen Prozentbereich geschrumpft.

Die Mehrheit der Privaten hatte Zeichnungsgewinne in Höhe von rund 30 Prozent mitgenommen und Kasse gemacht. Ähnlich, wenn auch mit nicht ganz so hohem Gewinn, ist die Situation bei MTU und Premiere. Haben die ganzen Appelle, die nach dem Desaster am Neuen Markt zu hören waren, somit nicht gefruchtet? Dass Anleger sich intensiv mit Chancen und Risiken eines Börsenkandidaten befassen, dessen Marktstellung beurteilen und das Management prüfen sollen?

Das wäre der falsche Ansatz. Denn die meisten Privatanleger haben sehr wohl ein feines Gespür für Tendenzen. Und die zeigten bisher in diesem Jahr, dass das institutionelle Interesse an neuen Aktien enorm gestiegen ist. Gleichzeitig sind die Emittenten durch das Geschacher um den angemessenen Ausgabepreis der Postbank-Aktie im vergangenen Jahr noch immer so verunsichert, dass sie bloß nicht in den Verdacht geraten wollen, allzu überzogene Forderungen zu stellen. In einem solchen Umfeld lässt sich für jeden halbwegs interessierten Anleger leicht erahnen, dass eine Aktie nach der Erstnotiz steigen wird.

Gehörig die Werbetrommel gerührt haben auch die Anlageberater der großen Banken. Privatanleger wurden durch die Blume auf das Steigerungspotenzial hingewiesen, bereits mit dem Hinweis, dass schon nach kurzer Zeit mit einem ordentlichen Zeichnungsgewinn wieder verkauft werden könne. Solche Tipps sind wenig spektakulär, heben aber das Ansehen des Anlageberaters beim Kunden ungemein.

Insofern hatten viele Kleinanleger nicht gierig, sondern geschickt reagiert. Sie haben lediglich ohne großen Aufwand ihre Jahresperformance aufgepeppt. Von den Zeiten des Neuen Marktes, als Kleinanleger beinahe blind jede Emission gezeichnet haben, sind die aktuellen Zustände dennoch weit entfernt.

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