Bulle & Bär
Kaum Börsenneulinge in Sicht

Wir schreiben den 8. Februar 2007, und eigentlich müsste der erste Börsenkandidat des neuen Jahres zumindest in Sichtweite sein. Immerhin rechnen Experten für dieses Jahr mit bis zu 40 Börsenneulingen im Premiumsegment Prime Standard. Doch was zeichnet sich im Moment ab? Nichts!

FRANKFURT. Einzig der Berliner Büroimmobilienspezialist Polis hat zu Wochenbeginn ganz vorsichtig seine Absicht kundgetan, bei entsprechend günstigem Kapitalmarktumfeld im ersten Halbjahr an die Börse zu gehen. In der Lesart der Branche heißt dies: Wir werden demnächst wohl den Anfang machen und drücken uns nur deshalb so vorsichtig aus, weil wir noch nicht alle Genehmigungen beisammen haben. Einen Vorwurf kann man Polis daraus nicht machen, schließlich dürfen Börsenkandidaten nichts ankündigen, was sie anschließend nicht halten können.

Die allgemeine Zurückhaltung zeugt viel mehr davon, welch undankbare Aufgabe es ist, den Anfang machen zu müssen. Scharen von Medienvertretern und Investoren pilgern zu den öffentlichen Auftritten des Managements, und sei das Unternehmen noch so unbedeutend. Dabei wird es seziert und anschließend lamentiert, welch spekulatives und überteuertes Investment die Aktien des Kandidaten doch darstellen. Zu guter Letzt kommt manchmal sogar ein erfolgreicher Börsengang heraus, ehe die Aktie im Nirvana des Börsenalltags verschwindet.

Das war in den letzten beiden Jahren so, als das Biotechnologie-Unternehmen Paion (2005) und der Sicherheitsspezialist Primion den Anfang (2006) machten. Beide Aktien kamen schon am ersten Tag kaum von der Stelle und fielen anschließend unter ihren Ausgabepreis. Da rangieren sie noch heute.

Noch schlimmer traf es den ersten Börsenkandidaten des Jahres 2004. Das Erfurter Halbleiter-Unternehmen X-Fab musste wegen seines spekulativen Geschäftsmodells und völlig überzogener Preisvorstellungen gar ganz absagen und hat bis heute nicht mehr den Sprung aufs Börsenparkett gewagt. Dem Management und den begleitenden Banken war die Situation völlig aus den Händen geglitten. Aus dem einstigen Vorteil, der Erste zu sein, ist inzwischen ein Nachteil geworden.

Das wissen auch die Unternehmen, die nun trotz fertiger Börsenpläne darauf warten, dass sich ein anderer Kandidat zuerst aus der Deckung wagt. Wohl wissend, dass man als Nummer zwei oder höher viel eher Herr der Situation bleiben kann als mit der Startnummer eins.

Wer sich dagegen zuerst auf das glatte Parkett wagt, ob Polis oder ein anderes Unternehmen, muss vieles auf einmal können: Eine überzeugende Story muss es zwangsläufig vorweisen, hinzu muss noch ein moderater Ausgabepreis kommen. Denn ob sich der Markt für Börsengänge in den nächsten Monaten zu einem Käufer- oder doch zu einem Verkäufermarkt entwickelt, das lässt sich erst sagen, wenn die ersten Emissionen über die Bühne gegangen sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%