Bulle & Bär
Kein Grund zum Jammern

Börsengänge des Jahrgangs 2010 sind anders – das ist kein Grund zum Jammern. Die Neulinge kommen schlanker, innovativer und leiser daher – oder kompliziert.
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FRANKFURT. Jammern galt im Volksmund einst als Gruß der Bauern. Nach den jüngsten Quartalszahlen könnte das Jammern auch der Gruß der Investmentbanker sein. Es gibt keine nennenswerten Börsengänge mehr, so die Klage. Und das, obwohl das Börsenumfeld derzeit doch so gut ist.

Wer genau hinsieht, stellt fest, dass es sehr wohl Neulinge an der Börse gibt. Anders als früher sind sie schlanker, innovativer und leiser. Beispiele gibt es etliche: Die Münchener JK Wohnbau, die am Mittwoch debütierte, hatte unbehelligt von der Öffentlichkeit alle Details im Vorfeld so weit festgeklopft, dass die Emission zum Selbstläufer wurde. Mit der IBS Group ist seit dieser Woche das erste russische Unternehmen am Geregelten Markt der Deutschen Börse vertreten, man hat sich selbst sozusagen upgegrated aus dem ungeregelten Open Market. Mit United Power gibt heute ein weiteres Unternehmen aus China sein Debüt in Frankfurt. Alles spannende Unternehmen, anders und unerwartet.

Und demnächst könnte mit luxemburgischer Rechtsform die 3W Power Holdings dazugekommen. Dahinter verbirgt sich der bestens bekannte Name AEG. Genauer gesagt die AEG Power Solutions, die mit ihren Anlagen das Energiemanagement auf Ölplattformen, Windparks und Kraftwerken steuern.

Ein neuer Name für die Börse

Jetzt wird es für Anleger kompliziert. 3W Power Holdings hieß bei seiner Gründung vor zwei Jahren Germany 1. Dahinter verbarg sich der erste "Spac" in Deutschland. Die Abkürzung für Special Purpose Acquisition Company steht für einen Fonds, der Geld einsammelt, sich dann ein Unternehmen aussucht und es kauft. In der einst leeren Hülle von Germany1, die dann in 3W umbenannt wurde, ist seither AEG Power Solutions drin. Soweit noch dabei?

Dann wird es jetzt noch eine Stufe komplizierter. Den bestens bekannten Namen AEG, der sicherlich auch an der Börse von Vorteil wäre, darf man dort nicht verwenden. Denn den haben schon vor Jahren die Schweden von Electrolux gekauft und bringen darunter Kühlschränke und Waschmaschinen auf den Markt. AEG Power Solutions, die ein Teil des 1887 gegründeten ursprünglichen Konzerns sind, haben den Namen AEG nur für den Konzern gemietet, nicht für die Aktie.

Und noch einen gravierenden Unterschied gibt es im Vergleich zu früheren Börsengängen: 3W besorgt sich nicht über seine Erstnotiz in Frankfurt frisches Kapital, sondern über eine 125 Millionen-Anleihe. Ein Rating von Standard & Poors mit B- und stabilem Ausblick gibt es schon. Der Kupon soll zwischen 8,5 und zehn Prozent liegen.

Börsengänge sind anders geworden. Grund zu jammern hat indes nur der, der sich nicht auf die neuen Zeiten einstellt.

schnell@handelsblatt.com

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