Bulle & Bär
Kein Trend bei Börsengängen in Sicht

Die Zeiten, als es modern war, sich bei Kleidung keiner Mode zu unterwerfen, sind gut drei Jahrzehnte her. Modisch hat sich - mit gelegentlichen Aussetzern - zwischenzeitlich zwar einiges getan, nun aber kehrt die Modelosigkeit zurück. Jedoch nicht bei der Kleidung, sondern bei Börsengängen. Ein Branchentrend ist weit und breit nicht zu erkennen.

FRANKFURT. Dass es davon im ersten Quartal noch keinen einzigen in Deutschland gegeben hat, nachdem es im vergangenen Jahr noch immerhin 23 im Premiumsegment Prime Standard waren, liegt unter anderen daran. Waren wie Anfang 2007 plötzlich Immobilienwerte angesagt, dann kamen im Sog des erfolgreichen Debütanten sofort weitere Kandidaten aus der Deckung, die den Anlegern die Aktien verkauften, die anscheinend bei ihnen gerade modern waren.

Floppte dann eine Kollektion respektive der erste Kandidat einer Branche, war es meist mit dieser Mode schon wieder vorbei. So waren im Lauf der letzten Jahre mal Firmen aus dem Bereich der regenerativen Energien gefragt, mal welche aus China. Davor waren es das Internet und die Biotechnologie, der Maschinenbau und die Finanzdienstleister. War die eine Mode "out", so kam sofort die nächste, die diese ablöste.

Seit einigen Monaten nun lässt sich überhaupt kein Trend erkennen. Mode selbst sollte zwischenzeitlich mal die neue Mode sein. Aber spätestens seit dem abgesagten Börsengang von Tommy Hilfiger vor wenigen Wochen in Amsterdam ist auch diese Mode schon wieder zu Ende, noch ehe sie richtig begonnen hat. Dabei wären mit den Labels New Yorker oder Street One bekannte Namen auf den einschlägigen "Watchlists" vertreten, die man sich im Gefolge an der Börse hätten vorstellen können.

Wenn denn schon keine Branche derzeit unter den Börsenkandidaten in Mode ist, dann gibt es zumindest einen Trend. "Größe" heißt das Zauberwort. Die Investoren, die bei Börsengängen die Richtung bestimmen, wollen demnach große Volumina. Am besten ab 500 Mill. Euro aufwärts, noch besser aber ab 750 Millionen Euro. Dann bekommen sie große Pakete, die sie bei Bedarf auch wieder losbekommen.

Im Ausland hat sich diese Strategie bereits bewährt. China Railway oder der US-Kreditkartenanbieter Visa bewiesen, dass sich Investoren derzeit nicht mit Kleinkram aufhalten, bei großem Angebot aber beherzt zugreifen. Nur in Deutschland bietet sich dem Anleger nichts, was dem nur im Entferntesten gleich käme. Einzig der Hamburger Hafenbetreiber HHLA war im November eine rühmliche Ausnahme, die dann aber umso herzlicher bei Investoren aufgenommen wurde. Vielleicht sollte einfach mal ein großes, grundsolides Unternehmen mit einem fairen Preis den Versuch starten. Die Erfolgschancen wären womöglich gar nicht so schlecht. Und die Aussicht auf eine neue Mode wohl auch nicht.

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