Bulle und Bär
Kein Urlaub für die Börse

Irgendwie ist nichts mehr wie es mal war. Früher begann die dreimonatige Phase der Sommerferien meist Mitte Juni in Schleswig-Holstein und endete Mitte September in Bayern. Dazwischen war jeder Börsianer mehr oder weniger körperlich und oft auch geistig abwesend, weshalb die Märkte in dieser Zeit meist auf der Stelle traten.

HB FRANKFURT. Heutzutage beginnen die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und im nächsten Jahr mit Rheinland-Pfalz und Hessen sogar noch weiter südlich, und an den Börsen ist vieles durcheinander. Die Umsätze sind hoch, die Kursausschläge auch, und das ansonsten um diese Zeit spürbar ruhige Geschäft gehört der Vergangenheit an.

Verantwortlich sind dafür sowohl ein genereller Gezeitenwandel, aber auch ganz spezifische Gründe im laufenden Jahr. Grundsätzlich hat sich im Umfeld der Märkte in den letzten Jahren soviel verändert, sei es die schier unendliche Vielfalt der Finanzprodukte oder die stark gestiegene Konkurrenz der Finanzplätze untereinander, dass sich viele Beteiligte eine längere Phase des Stillstands gar nicht mehr leisten können. Die Szenerie würde ansonsten einer Fabrik ähneln, bei der die Maschinen über ein Vierteljahr hinweg nur mit halber Kraft laufen.

An den Börsen war zuletzt jedoch beinahe Volllast angesagt. Die immer bedeutenderen Hedge-Fonds beispielsweise waren zuletzt so stark in Aktien engagiert wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dass deren Begeisterung nachlässt, davon ist im Moment noch nichts zu spüren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Dafür muss es auch nicht immer nur nach oben gehen. Allein das kräftige Pendeln der letzten Wochen zwischen 7 500 und 8 100 Punkten dürfte für ordentliche Gewinne gesorgt haben. Auch nachrichtenarme Zeiten lassen sich so prima überbrücken.

Es sind aber auch die Eigenheiten des Börsenjahres 2007, die für Bewegung sorgen. "Kalt erwischt" wurden nahezu alle, die sich mit der Börse beschäftigen. Im wahrsten Sinne davongelaufen ist ihnen die Kursentwicklung in den letzten Monaten. Hinzu kam zuletzt ein Mix aus Zinserhöhungen, einer länger als erwartet ausgefallenen Krise am US-Hypothekenmarkt sowie erneut aufkeimende Terrorängste. Viele Experten müssen das alles erst einmal in ihre Prognosen einarbeiten.

Das passiert aber mit ganz unterschiedlichen Konsequenzen. Denn die Zahl derer, die in nächster Zeit mit weiter steigenden Kursen rechnet, hält sich in etwa die Waage mit der Zahl derjenigen, die skeptischer in die Zukunft blicken. Das für die Jahreszeit ungewöhnliche deutliche Auf und Ab an den Börsen dürfte sich demnach auch fortsetzen, wenn am Wochenende in vielen weiteren Bundesländern die Sommerferien beginnen. Und diejenigen Börsianer, die in dieser Zeit arbeiten, müssen sich damit abfinden, dass die Phasen, in denen man es sonst mal etwas ruhiger angehen lassen konnte, endgültig Geschichte sind.

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