Bulle & Bär
Keine Angst um Pfandbriefe

Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns. Dieser Spruch gilt auch für Bankkaufleute, vor allem für solche, die mit Pfandbriefen zu tun haben. Doch verglichen mit dem, was sich an anderen Märkten abspielt, kann man bei den Pfandbriefen kaum von einer großen Krise sprechen.

FRANKFURT. So eine katastrophale Situation habe es noch nie gegeben, jammern schon lange viele Banker angesichts der Tatsache, dass die große Krise an den Kreditmärkten auch den Markt für deutsche Pfandbriefe und pfandbriefähnliche Covered Bonds nicht kalt gelassen hat.

Verglichen mit dem, was sich an anderen Märkten abspielt, kann man bei den Pfandbriefen - zumindest bei denen aus Deutschland - aber kaum von einer großen Krise sprechen. Solche Äußerungen sind jetzt auch von einigen Bankern zu hören, denen die Geister, die sie mit dem Krisengeschrei gerufen haben, langsam unheimlich werden.

Fakt ist: Anleger, die in die traditionsreichen Pfandbriefe investiert haben, brauchen keine Angst zu haben, dass ihr Investment wertlos wird. Pfandbriefe sind mit Staatskrediten oder Hypotheken gedeckt. Das Pfandbriefgesetz regelt, dass selbst im Insolvenzfall einer Pfandbriefbank die Kredite, die zur Deckung des Pfandbriefs verwendet werden, nicht angetastet werden dürfen.

Dass Staatskredite ausfallen, steht nicht zu befürchten; von daher sind die mit diesen Papieren gedeckten öffentlichen Pfandbriefe per se sicher. Die Besicherung der Pfandbriefe mit Hypotheken ist so geregelt, dass von jeder Hypothek nur 60 Prozent für die Deckung der Pfandbriefe herangezogen werden dürfen. Das schützt Investoren bei einem deutlichen Wertverlust der Immobilie. In US-Subprime-Immobilien haben deutsche Hypothekenbanken nicht investiert.

Dass die Verunsicherung am Pfandbriefmarkt dennoch groß ist, liegt daran, dass Investoren skeptisch gegenüber allen Immobilienbesicherungen sind. Die Beinahe-Pleite des britischen Baufinanzierers Northern Rock und die Unregelmäßigkeiten bei der Bewertung von Immobilien der US-Sparkassengruppe Washington Mutual ließen die Risikoaufschläge von deren Covered Bonds in kurzer Zeit um mehr als einen Prozentpunkt und damit deutlich steigen. Die Papiere sind wegen der hohen Mindestanlagesummen nur für Großinvestoren geeignet. Die Aufschläge deutscher Jumbos stiegen weit weniger deutlich.

Ins Gerede gekommen sind die Jumbo-Pfandbriefe aus Deutschland deshalb, weil der Handel durch die allgemeine Verunsicherung nicht so gut funktioniert wie sonst. Deshalb sagten einige europäische Emittenten zuletzt Jumbo-Platzierungen ab. Dennoch sind Handel und Emissionen - anders als bei verbrieften Anleihen (Asset Backed Securities, ABS) - weiter möglich.

Fazit: Privatanleger können getrost weiter Pfandbriefe kaufen und bekommen zum Beispiel für zehnjährige Jumbos im Schnitt einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als für Bundesanleihen. Die Aufschläge sind doppelt so hoch wie noch im Juni. Da jedoch die Renditen der Staatsanleihen in dieser Zeit gesunken sind, ist das nicht sonderlich viel.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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