Bulle & Bär: Keine Angst vor höheren Leitzinsen

Bulle & Bär
Keine Angst vor höheren Leitzinsen

Die EZB wird schon bald die Leitzinsen anheben. Wird das die Aktienmärkte unter Druck setzen? Nein, sagt eine Studie der Commerzbank.

FrankfurtKommenden Donnerstag ist es soweit: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird aller Voraussicht nach den seit knapp zwei Jahren historisch niedrigen Leitzins anheben. Das hat EZB-Chef Jean-Claude Trichet schon vor einem Monat mit Blick auf die gestiegene Inflation unerwartet deutlich signalisiert. Seither gab es weitere Kommentare von Notenbankern, die sich von der Katastrophe in Japan mit ihren noch ungewissen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nicht davon abhalten lassen wollen, die Zinsschraube anzuziehen. Dabei steht zunächst nur eine moderate Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent an.

Den Investoren an den Aktienmärkten macht das keine großen Sorgen, und das zumindest mittelfristig zu Recht. Dabei lautet die gängige Annahme, dass bei höheren Leitzinsen Aktien unattraktiver werden. Zum einen ziehen höhere Leitzinsen in der Regel auch höhere Anleiherenditen nach sich, und das macht Aktien vergleichsweise weniger lukrativ. Außerdem müssen bei höheren Leitzinsen die Unternehmen mehr Geld für Kredite und Anleihen zahlen. Das schmälert ihre Gewinne und geht ebenfalls zulasten der Kursfantasie bei Aktien.
Bislang schadeten Zinserhöhungen den Aktien nicht.

Die Commerzbank hat aber analysiert, dass in acht Zinserhöhungszyklen seit 1970 die Aktienkurse auch nach den ersten Zinserhöhungen von Notenbanken noch längere Zeit gut abschnitten. Der Dax zum Beispiel legte in den neun Monaten nach dem Beginn eines Zinserhöhungszyklus 4,6 Prozent stärker zu als im Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre. Hauptgrund dafür ist, dass Aktionäre die Zinserhöhung als Bestätigung dafür werten, dass die Wirtschaft robust ist - sonst würden sich die Zentralbanken nicht trauen, die Konjunktur mit einer Zinserhöhung zu bremsen.

Dazu kommt, dass die Leitzinsen auch nach einer Zinserhöhung weiter noch extrem niedrig sein werden. Dass Unternehmen keine massive Erhöhung ihrer Finanzierungskosten fürchten, zeigt sich daran, dass sie sich derzeit mit der Platzierung von Anleihen zurückhalten und nicht versuchen, Bonds auf Vorrat zu begeben. Im ersten Quartal kamen neue auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität abseits der Finanzbranche über rund 25 Milliarden Euro auf den Markt - das sind rund 40 Prozent weniger als in den ersten drei Monaten 2010.

Außerdem ist die Gefahr, dass Anleger Geld aus Aktien in Anleihen umschichten, noch lange nicht gegeben. Die Renditen von Bundesanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren sind zwar seit September schon um gut die Hälfte auf 3,3 Prozent gestiegen. Damit dürfte die kommende Leitzinserhöhung der EZB in den Bewertungen enthalten sein. Trotzdem sind die Renditen von Bundesanleihen immer noch historisch gesehen niedrig und von daher nicht sonderlich attraktiv.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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