Bulle & Bär
Keine Angst vor Verbriefungen

Die Versicherungsbranche pflegt seit langem ein zartes Pflänzchen, das nur mit Mühe wächst: die Insurance Linked Bonds. Die so genannten Katastrophen-Bonds lasen auf den ersten Blick an Subprime-Risiken denken. Doch es gibt gute Gründe, genauer hinzusehen.

DÜSSELDORF. Insurance Linked Bonds sind Wertpapiere, mit denen Risiken verbrieft werden. Zum Beispiel das Risiko, dass ein Sturm mit einer bestimmten Stärke in einem bestimmten Zeitraum Florida heimsucht. Oder dass die Schäden im Autogeschäft in einem Land eine bestimmte Grenze überschreiten. Oder dass in einer genau definierten Bevölkerung die Leute noch älter werden, als die Statistik vorausgesagt hat. Diese Papiere heißen auch Katastrophen-Bonds.

In den letzten Jahren haben sich mehr Rückversicherer mit derartigen Papieren an den Markt gewagt. Sie wollen so ihren Spielraum erweitern und ihre Risiken besser mischen, letztlich auch den Aktionären ein attraktiveres Chance-Risiko-Profil bieten. Die Bonds selbst sind bisher nur für Profis als Anlage geeignet. Aber spannend: Die Zusatzverzinsung, die sie als Bezahlung für die Übernahme der Risiken bieten, ist unabhängig von anderen Kapitalmarkt-Risiken. Die Bonds stellen also eine recht eigenständige Vermögensklasse dar, was sie für Asset-Manager interessant macht.

Peter Lütke-Bornefeld, der Chef der Kölnischen Rück, hat nun auf einer Handelsblatt-Tagung das ganze Verfahren in Frage gestellt. Wozu Risiken verkaufen, statt sie in der Bilanz zu behalten, fragte er und warnte vor Intransparenz - ganz ähnlich wie bei den Subprime-Risiken, die die derzeitige Finanzkrise ausgelöst haben. Drohen Katastrophen-Bonds also, ihrem Namen auch aus Investorensicht gerecht zu werden?

Lütke-Bornefeld ist Chef der Kölnischen Rück. Die gehört zur General Re und die wiederum gehört Warren Buffett. Der US-Milliardär schwimmt im Geld, gleichzeitig hält er seine Rückversicherer an einer sehr kurzen Leine. Deswegen ist für die Kölnische Rück das Modell, Risiken weiterzureichen, gar nicht interessant. Anders sieht es zum Beispiel bei der Hannover Rück, aber auch bei Münchener Rück und Swiss Re aus, die sparsamer mit ihrem Kapital wirtschaften müssen. Trotzdem muss man Lütke-Bornefelds Warnung ernst nehmen, er ist ein Veteran der Branche.

Wie gut sind Risiken der Insurance Linked Bonds für Investoren zu beurteilen? Wenn man ehrlich ist: Für viele dürfte es trotz aller Bemühungen um Transparenz schwierig sein. Es sei denn, es handelt sich selbst um Versicherer. Denn auch das gehört zum Risikomanagement, dass Versicherer in Bereichen, wo sie wenig in den Büchern haben, noch zukaufen.

Einen wichtigen Unterschied zur Verbriefung der Subprime-Risiken des US-Immobilienmarktes gibt es aber: Bei den Papieren der Versicherer ist noch nichts von einem Boom zu spüren. Die Gefahr, dass ein riesiges Rad gedreht wird und die Kontrollen lascher werden, ist weit entfernt; die Branche muss sich noch sehr anstrengen, ihre Papiere attraktiv zu gestalten. Es muss daher nicht alles, was Verbriefung ist, katastrophenträchtig sein.

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