Bulle & Bär
Keine Eile bei Unternehmensanleihen

So mancher Experte für Unternehmensanleihen wittert langsam wieder Morgenluft. Grund ist, dass die Risikoprämien für Firmenbonds guter Bonität in diesem Jahr schon um rund 45 Prozent in die Höhe geschnellt sind. Im Schnitt bieten die Anleihen von Unternehmen abseits der Finanzbranche rund 1,6 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen und damit so viel wie seit über fünf Jahren nicht.

FRANKFURT. Bei den Anleihen der durch die Finanzkrise gebeutelten Banken liegen die Risikoprämien noch höher. Gemessen an den tatsächlichen Risiken und fundamentalen Bewertungen seien die Risikoaufschläge viel zu hoch, heißt es in vielen Studien. Zumindest mittelfristig sehen zahlreiche Experten deshalb für Unternehmensanleihen mehr Chancen als Risiken.

Privatanleger sollten sich von dem Blick auf die Risikoaufschläge und der damit verbundenen relativen Attraktivität der Firmenpapiere jedoch nicht blenden lassen. Denn der sogenannte "relative value", sagt über die tatsächlichen Renditen nur wenig aus. Genau die sind aber für die meisten Kleinanleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten, entscheidend.

Fakt ist: Obwohl die Risikoprämien so in die Höhe geschnellt sind, haben sich die Renditen für Unternehmensanleihen kaum verändert. Die steigenden Aufschläge liegen vor allem daran, dass Staatsanleihen im Zuge der immer weitere Kreise ziehenden Subprime-Krise um fragwürdige private US-Hypothekenschuldner bei Investoren extrem gefragt sind. Seit der Zuspitzung der Subprime-Krise im vergangenen Sommer ist entsprechend die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um einen vollen Prozentpunkt auf jetzt nur noch 3,7 Prozent abgesackt. Zuvor hatte sie nach diversen - aus heutiger Sicht trügerischen - positiven Konjunktursignalen den höchsten Stand seit 2002 erreicht.

Die durchschnittlichen Renditen von auf Euro lautenden Unternehmensanleihen mit einem Rating im vergleichsweise sicheren Investment-Grade sind dagegen seit Juni 2007 nur um 0,2 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent geklettert. Seit Jahresanfang haben sich die Renditen im Schnitt nicht verändert.

Die Gefahr, dass die Kurse der Unternehmensanleihen doch noch fallen und im Gegenzug ihre Renditen steigen ist indes groß. Denn die grundlegenden Probleme aus der Finanzkrise sind noch nicht gelöst. Die Beinahe-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns zeigt, dass sich die Subprime-Krise zu einer Systemkrise der Banken ausgeweitet hat. Die Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen der US-Notenbank lösen die Krise nicht, und die USA stecken wahrscheinlich schon mitten in einer Rezession, die auch den Rest der Weltwirtschaft empfindlich treffen wird.

Fazit: Anleger sollten jetzt nicht allein wegen der hohen Risikoaufschläge im großen Stil zu Unternehmensanleihen greifen. Bei vielen Firmenbonds dürften günstigere Einstiegzeitpunkte kommen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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