Bulle & Bär
Keine Ferien mehr für die Börsen

In mehreren Bundesländern starten heute die Sommerferien. Zu früheren Zeiten wäre ein solcher Tag der Startschuss für eine gut drei Monate währende Phase war, in der auch die Börse quasi Sommerferien machte. Das ist diesmal garantiert anders.

FRANKFURT. In Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen starten heute die Sommerferien. Das wäre unter Börsengesichtspunkten nicht sonderlich aufregend, gelten diese Länder doch nicht unbedingt als Inbegriff für eine ausgeprägte Börsenkultur. Viel interessanter ist in diesem Zusammenhang, dass ein solcher Tag zu früheren Zeiten der Startschuss für eine gut drei Monate währende Phase war, in der auch die Börse quasi Sommerferien machte. Mal ging es an einem Tag ein halbes Prozent rauf, dann am nächsten Tag wieder ein halbes Prozent runter.

Wobei die Umsätze bei vielen Einzelwerten oftmals so gering waren, dass die Frage erlaubt sein musste, wie repräsentativ solche Bewegungen überhaupt waren. Gute alte Zeit, sie kommt nicht wieder, mögen heute viele wehmütig seufzen.

Dass die kommenden drei Monate garantiert nicht sommerliche Regungslosigkeit an den Märkten herrscht, liegt daran, dass der Börsenhandel sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt hat. Die Liquidität, die in den vergangenen Jahrzehnten im Vergleich zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt massiv gestiegen ist, will angelegt werden. Zudem haben Unmengen an derivativen Instrumenten auf Einzeltitel und Indizes dazu geführt, dass es quasi zur lebenserhaltenden Notwendigkeit gehört, ständig ein Grundmaß an Bewegung aufrechtzuerhalten.

Zu beobachten ist diese Entwicklung schon seit geraumer Zeit bei den Marktschwergewichten. Kursausschläge von fünf Prozent nach oben wie nach unten waren vor Jahren bei Dax-Titeln noch die absolute Ausnahme und deuteten darauf hin, dass bei dieser Aktie Außergewöhnliches passiert sein muss. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht gleich mehrere Aktien in dieser Größenordnung schwanken. Am Mittwoch gehörten dazu beispielsweise Dinos wie Volkswagen und die Deutsche Bank.

Der Begriff „Sommerloch“, der sonst zwischen Ende Juni und Mitte September allgegenwärtig war, taugt so nur noch für die Börsen-Geschichtsbücher. Genauso wie die Bilder zurückgelehnter Händler, die im damals noch unklimatisierten Frankfurter Börsensaal dem Feierabend entgegen schwitzten.

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