Bulle & Bär
Keine Sorge vorm Börsengang der Börse

Für manchen Anleger ist es noch immer ein wenig verwirrend, wenn sich eine Börse einem breiteren Publikum öffnet – und seine eigenen Aktien notieren lässt. Dabei sind inzwischen mehr als ein Dutzend Kapitalmärkte weltweit dem Beispiel der Börsen in New York, London und Frankfurt gefolgt und an den eigenen Aktienmarkt gegangen, zuletzt im Juni die Börse Johannesburg (JSE).

KAPSTADT. Nach einem etwas schwerfälligen Start hat die JSE zuletzt kräftig an Schwung gewonnen und ist von einem Ausgabepreis bei 26 Rand auf 38 Rand geklettert. Neben der Erholung der Aktienmärkte hat dazu sicherlich auch das erste Zwischenergebnis beigetragen: Dank des regen Aktienhandels, verdreifachte sich der Vorsteuergewinn in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Inzwischen finden in Johannesburg täglich 30 000 Handelsabschlüsse statt. Noch vor zehn Jahren waren es kaum 5 000 am Tag. Die Investitionen aus dem Ausland beliefen sich Ende Juli allein für dieses Jahr auf 57 Mrd. Rand, womit sie bereits um 10 Prozent höher als im gesamten Vorjahr lagen.

Besonders stolz ist die JSE darauf, als einzige Börse der Welt noch keine gescheiterte Transaktion verzeichnet zu haben. Zum einen liegt dies an dem vor sechs Jahren eingerichteten Handelssystem Strate, zum anderen daran, dass Anleger in Südafrika fünf Tage Zeit haben, ihre Transaktionen abzuwickeln. An vielen internationalen Aktienmärkte sind drei Tage die Regel.

Nach dem starken Kurszuwachs in den vergangenen drei Jahren, beläuft sich der Wert der an der JSE notierten fast 400 Unternehmen inzwischen auf fast 4 Bill. Rand. Damit liegt die Börse am Kap weltweit an 17. Stelle.

Nicht recht vorankommen will indes die Zusammenarbeit mit dem übrigen Afrika. Die JSE hat den anderen Börsen des Kontinents wiederholt den Transfer ihrer Technologie offeriert und die Regionalbörsen im südlichen Afrika gedrängt, die Notierungsregeln zu vereinheitlichen.

Leider stieß dies kaum auf Resonanz. Nur Namibia hat das Angebot der JSE akzeptiert. Die anderen Regionalbörsen zeigen viel Skepsis, schon weil die JSE mit einer Marktkapitalisierung von 93 Prozent alle anderen Märkte im südlichen Afrika weit überflügelt. Auch alle Pläne über eine panafrikanische Börse sind bislang verpufft.

Kein Wunder, dass die JSE inzwischen über Afrika hinausschaut. Mit der Integration der Kaprepublik in die Weltwirtschaft und der Lockerung einiger Devisenkontrollen versucht sie auch anderswo Interessenten zu werben, namentlich in den anderen beiden Rohstoffländern Kanada und Australien.

Dies ist schon deshalb ratsam, weil die JSE durch den Umzug der größten Unternehmen vom Kap nach London von einem Bedeutungsverlust bedroht ist. Die JSE hat sich in der Vergangenheit als erstaunlich innovativ und anpassungsfähig erwiesen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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