Bulle & Bär
Klare Nachrichtenlage

Der so genannte Nachrichten-Index, errechnet von den Analysten der französischen Großbank Société Générale, weist seit Monaten in den USA nach unten. Das heißt, die US-Medien bewerten die wirtschaftliche Lage im eigenen Land zunehmend pessimistisch.

HB NEW YORK. Ganz im Gegensatz dazu schildern Zeitungen und Nachrichtenagenturen in Europa und Asien die Konjunkturlage in ihren Ländern viel rosiger als noch vor wenigen Wochen. Der ungewöhnliche Index deutet darauf hin, dass die wichtigsten Börsenplätze außerhalb der USA der Wall Street auch künftig den Rang ablaufen dürften - wie bereits im vergangenen Jahr. Denn falls das Rauschen im Blätterwald die Konjunkturtrends korrekt widerspiegelt, dann hat der Rest der Welt in puncto Wirtschaftsdynamik die USA überholt.

Das dreiköpfige Londoner Anlagestrategieteam der SG wertet seit Jahren die Nachrichtenlage in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt aus. Denn laut SG-Chefstratege Bijal Shah bildet der Prozentanteil positiver Berichte an der Gesamtzahl aller volkswirtschaftlichen Artikel "einen guten Echtzeit-Indikator für die tatsächliche Konjunkturlage". Solche Indikatoren sind wertvoll, weil verlässliche Daten über Wirtschaftswachstum, Einkommen und Arbeitslosigkeit sonst nur für die Vergangenheit festgestellt werden können.

Bislang lag das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone deutlich unter dem Wachstumstempo der US-Ökonomie. Behält Shahs Nachrichten-Index Recht, dürfte sich dies jedoch bald ändern.

Laut SG stieg der Anteil positiver Konjunkturberichte von Zeitungen und Nachrichtenagenturen der Euro-Zone in den vergangenen Wochen steil an - von einem Tiefpunkt unter 50 Prozent (sprich: weniger als die Hälfte aller Artikel klang optimistisch) auf 70 Prozent. Diese Quote sank in den USA unter 60 Prozent.

Die Vereinigten Staaten sind die einzige Weltregion, in der das SG-Nachrichtenbarometer in den vergangenen Wochen abwärts tendierte. Sorgen über eine Flaute am Immobilienmarkt, die Krise der US-Autobauer General Motors und Ford und die Verlangsamung der amerikanischen Konjunkturdynamik schlagen sich in der Berichterstattung nieder.

Ganz anders dagegen die Lage in Japan: Dort stieg der Anteil der positiven Wirtschaftsberichte von unter 60 auf über 75 Prozent aller ökonomischen Artikel. Nach langen Jahren der Depression scheint in Fernost endlich die Wende geschafft, Wirtschaftswachstum und Verbrauchernachfrage stiegen zuletzt kräftig. Auch im restlichen Teil Asiens und in Großbritannien zeigt der Trend nach oben.

Anleger haben damit einen weiteren Grund, die Wall Street zu meiden und eher in Frankfurt, London oder Tokio zu investieren. Denn die Börsenkurse basieren auf den Unternehmensgewinnen, die wiederum von der Konjunkturdynamik in den jeweiligen Wirtschaftsregionen abhängen.

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