Bulle & Bär
Klein wird bescheiden

Wieder einmal warnen Experten, dass es mit der Rally der Nebenwerte bald vorbei sein könnte. In einer Umfrage der Ratingagentur Morningstar unter europäischen Fondsmanagern hält keiner der Befragten die kleineren Titel noch für unterbewertet, jeder zweite aber glaubt, dass sie inzwischen mehr oder weniger überbewertet sind. Außerdem fürchtet die Mehrheit, dass Anleger auf einen möglichen Einbruch der Nebenwerte schlecht vorbereitet sind.

Die in europäischen Nebenwertefonds enthaltenen Aktien haben im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16, ermittelte Morningstar. Der Durchschnitt der Werte in auf große Titel beschränkten Fonds hat dagegen nur ein KGV von 13,6.

Historisch war es meistens umgekehrt. Die kleinen Titel waren billiger, weil der Investor mit ihnen ein größeres Risiko eingeht. Er verlangt dafür einen gewissen Preisabschlag. Doch begünstigt durch die niedrigen Zinsen haben die Kleinen in den vergangenen sechs bis sieben Jahren eine Rally hingelegt, bei der mancher hätte reich werden können. Der auf kleine Titel beschränkte deutsche SDax etwa hat seit Anfang 2000 insgesamt 61 Prozent gewonnen. Zum Vergleich: Der Dax hat bis heute sein Niveau von damals nicht erreicht und notiert gut 15 Prozent darunter.

Mit steigenden Zinsen und einer schwächer werdenden Konjunktur sind die Chancen der Kleinen, noch größere Kursgewinne zu erzielen, jedoch deutlich geschrumpft. Kleinere Firmen haben meist eine schlechtere Bonität als die Großen und damit einen schlechteren Zugang zum Kapitalmarkt. Ihre Kredite sind deshalb oft teurer. Es sind meist Firmen, die rasch wachsen und deshalb Geld brauchen. Bei weltweit steigenden Zinsen geraten sie leicht ins Hintertreffen.

Außerdem sind kleine Unternehmen stärker vom Konjunkturzyklus abhängig. Vor dem Hintergrund, dass der Wirtschaftsaufschwung in eine reifere und langsamere Phase kommt, wachsen Umsatz und Gewinne nicht mehr so stark.

Das alles haben aufmerksame Anleger allerdings schon öfter gehört. Bereits vor zwei Jahren haben viele Analysten vor einem Ende der Nebenwerterally gewarnt, 2005 sagten sie, jetzt sei es aber wirklich vorbei, und 2006 wieder.

Trotz der Fehlprognosen der Experten sollten Anleger auf der Hut sein und schon mal einen Teil ihrer Gewinne aus Nebenwerten mitnehmen. Gerade in Zeiten einer Korrektur oder volatilere Seitwärtsmärkte sind diese empfindlicher als andere Titel und brechen stärker ein als der Rest. Denn ihr Markt ist nicht so liquide wie bei den Großen. Verkauft eine kleine Gruppe von Investoren, macht sich das rasch bemerkbar. Der SDax hat seit seinem Rekordhoch am 11. Mai 13,6 Prozent eingebüßt, der Dax nur 5,9 Prozent. Die derzeitige Zwischenrally dauert vielleicht noch bis August. Spätestens dann sollten sich Anleger von einigen Nebenwerte-Positionen trennen.

hussla@handelsblatt.com

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