Bulle & Bär
Kleinanleger springen wieder zu spät auf den Zug auf

Gezeitenwechsel bei den Investoren? Galt die Aussicht auf eine satte Dividendenrendite über Jahre hinweg als Sahnehäubchen einer ausgefuchsten Anlagestrategie, so denken viele Börsianer nun um.

FRANKFURT. Unternehmer sollen mit ihrem Geld wieder etwas unternehmen, anstatt ihre Gewinne in hohe Dividenden und in Aktienrückkäufe zu stecken, lautet die zuletzt viel gehörte Aussage unter Bankern. Nach der Phase „Wachstum um jeden Preis“ von 1998 bis 2000 und der anschließenden Cash-flow- und Dividendenphase bis 2004, haben die Experten der WestLB nun die Phase „Werthaltigen Wachstums“ eingeläutet.

Zu Recht, denn in Zeiten, da die Dividendenrendite der 50 größten europäischen Unternehmen im Schnitt bei drei Prozent liegt und vielerorts bereits spekuliert wird, ob der aktuelle Konjunkturaufschwung bereits 2007, 2008 oder erst 2009 endet, muss die Frage lauten: Wenn nicht im kommenden Jahr kräftig investiert wird, wann dann?

Einen Argumentationsschub liefern die Erfahrungen der letzten Monate. Die Übernahme des US-Sportartikelriesen Reebok durch Adidas-Salomon oder die der Hypothekenbank Eurohypo durch die Commerzbank führten am Aktienmarkt zu einem vorher nie für möglich gehaltenen Schub für die neuen Besitzer. Galt doch bislang die Regel, dass eine Übernahme zuallererst Geld kostet und deswegen mit einem Kursabschlag verbunden sein muss.

Die Argumentation zählt nicht mehr. Wer Werte schafft, demonstriert damit Weitsicht und schürt so Phantasie bei den Anlegern. Ob diese Investitionen aus den hohen Cash-flows stammen, die in den letzten Jahren eingefahren wurden, oder mit Krediten finanziert werden, ist den Investoren egal. Schließlich ist der Verschuldungsgrad europäischer Unternehmen inzwischen so niedrig und dabei der Cash-flow so hoch, dass die Schulden innerhalb von zwei Jahren getilgt werden könnten. Ein höherer Verschuldungsgrad wäre demnach überhaupt kein Problem, würde den Anlegern glaubhaft gemacht, dass die Investitionen für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens von großer Bedeutung sind. Das wird ihnen deutlich leichter fallen als noch vor einiger Zeit.

Einziges Manko: Diese Einstellung hat sich bisher nur bei Großinvestoren durchgesetzt. Kleinanleger sind diesseits wie jenseits des Atlantiks am Aktienmarkt zurückhaltend wie selten in der jüngeren Geschichte. Wenn sie sich engagieren, dann mit besonderer Vorliebe in dividendenorientierte Investments.

Dass die Masse der Kleinanleger damit zu spät auf den Trend aufspringt, den Großinvestoren schon seit Wochen ausgegeben haben, ist zu befürchten. Sie können sich im kommenden Jahr bestenfalls dann richtig freuen, wenn die Börsen wider Erwarten auf der Stelle treten und sich deshalb mit der konservativen Dividendenstrategie einmal mehr am meisten Geld verdienen lässt.

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