Bulle & Bär
Klimawandel – mehr als nur ein Modethema

Letzte Woche hat die Bundesregierung ein großes Klimapaket verabschiedet. Zwar wurden einige Vorschläge wieder entschärft. Trotzdem hat die neue Gesetzgebung große Bedeutung. Die Frage ist nur: Was bedeutet sie für Anleger?

DÜSSELDORF. Poitisch signalisiert das Klimapaket der Bundesregierung erstens: Wir reden nicht nur, wir tun auch was. Und zweites: Deutschland und damit auch die deutsche Industrie beansprucht eine führende Rolle in dem ganzen Prozess zur Abmilderung des Klimawandels.

Welche Konsequenzen hat das für Anleger? Zunächst stärkt das Klimapaket die Solar-, Windenergie- und Biospritanbieter. Sie haben an der Börse eine Zeit der Visionen schon hinter sich, ebenso wie den Realitätsschock. Nun hellen sich die Perspektiven wieder auf.

Für die Autoindustrie wird sich durch die Umstellung der Besteuerung von Hubraum auf CO2-Ausstoß nicht so viel ändern: Kleine Motoren stoßen auch wenig CO2 aus. Allenfalls wird sich der Trend Richtung Diesel noch verstärken, was aber ein Vorteil ist, weil diese Modelle teurer zu verkaufen sind als Benziner. Von dem weltweiten Trend zu sparsamen Dieselmotoren dürfte auch der Hersteller Deutz profitieren.

Problematischer als das deutsche Klimapaket sind für die deutsche Autoindustrie die EU-Pläne einer Deckelung des Durchschnittsaustoßes an CO2 für die Hersteller. Die Franzosen haben hier einen guten Mix und werden ihre traditionell gute Vernetzung in der EU nutzen, der deutschen Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Auf längere Sicht - vielleicht zu lange für die Aktionäre - erwächst daraus aber der heilsame Druck auf die deutschen Konzerne, wieder eine echte Vorreiterrolle einzunehmen und Luxus ganz neu zu definieren: eben nicht über starke Motoren.

Interessant sind die neuen Spielregeln auch für Immobilienbesitzer. Zwar wurden die Pläne gestrichen, auch für alte Häuser umfangreiche Nachrüstungen vorzuschreiben. Aber indirekt erhöht sich der Druck schon: Wenn für neue Häuser beim Bau und der Ausrüstung mit Heizungen sehr hohe Standards gelten, sehen die alten Häuser schnell wirklich "alt" aus. Die Frage für den Besitzer stellt sich dann: investieren und längere Zeit behalten oder verkaufen. Denn kurzfristig spielen Modernisierungen bei einem Verkauf ihre Kosten kaum ein.

Profitieren könnten jedenfalls Baustoffkonzerne wie St. Gobain - die Franzosen haben Dämmstoffe und jede Menge Glas, das für die Isolierung eine große Rolle spielt, im Programm. Letztlich werden wahrscheinlich sogar die Versorger profitieren, auch wenn sie mengenmäßig durch eine bessere Effizienz weniger absetzen. Aber interessant für sie wäre zum Beispiel Erdgas mit erhöhtem Biogas-Anteil anzubieten, um so ohne große Investitionen den Anteil erneuerbarer Energie zu erhöhen - gegen einen guten Abnahmepreis. Letztlich gibt die Klimadiskussion auch den Kraftwerkbauern Rückenwind. General Electric hat sich ja schon offensiv als "grün" positioniert. Aber Siemens kriegt diese Kurve wohl auch noch.

Fazit: Klimawandel ist auch für Anleger mehr als ein Modethema.

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