Bulle & Bär
Klüger als die Masse?

Manche Menschen sind einfach schlauer als der Markt. Das zumindest wollen uns Anbieter von Derivaten weismachen, die neue verkaufsträchtige Modeprodukte kreiert haben: Alpha-Zertifikate. Die Papiere versprechen stetig hohe Renditen – egal ob der Markt steigt oder fällt.

DÜSSELDORF. Die neuen Papiere setzen nicht mehr auf die Entwicklung einer Anlageklasse wie Aktien oder Immobilien, sondern auf die Performance von Portfoliomanagern. Alpha nennt die Kapitalmarkttheorie die risikogewichtete Überrendite eines Portfolios gegenüber dem Markt: Steigt der Wert eines Fonds um zehn Prozent, der vergleichbare Index aber nur um fünf Prozent, dann beträgt das Alpha des Fonds fünf Prozent – sofern die Schwankungsintensität (Volatilität) und damit das Risiko gleich sind.

Interessant wird die Alpha-Strategie vor allem im umgekehrten Fall: Sinkt die Benchmark des Fonds um 30 Prozent, der Fondsmanager macht aber nur 20 Prozent Verlust, dann hat er ein Alpha von zehn Prozent erwirtschaftet. Damit ist auch klar, weshalb die Papiere ausgerechnet jetzt so heftig beworben werden. Anleger, die davon ausgehen, dass die Märkte drehen, suchen nach Möglichkeiten, auch bei sinkenden Kursen Geld zu verdienen. „Die Benchmarks werden uninteressant“, sagt der Vertriebschef einer im Zertifikatemarkt engagierten Bank.

Und je klüger die Köpfe und Strategien hinter den Papieren sind, desto mehr Freude dürfte der Anleger an der Überrendite haben. Ein Papier von Nomura investiert beispielsweise in Fonds der DWS, ausgewählt von den Hedge-Fonds-Managern von Südprojekt. Die setzen an das DWS-Alpha aber noch einen kräftigen Hebel an, der in den ersten Monaten allerdings kaum wirkte – der Kurs des Zertifikats liegt unter Emissionspreis. Auch die Alpha-Papiere von ABN Amro auf hauseigene Indizes – im November mit großem Getöse gestartet – stecken im roten Bereich. Die Indizes bilden eine Handelsstrategie ab, die nur am Monatsanfang und -ende auf Aktien setzt.

Besser als Nomura- und ABN-Amro-Kunden stehen Käufer des Vontobel-Alpha-Generator-Zertifikats da, dessen Kurs in einem halben Jahr zehn Prozent zugelegt hat. Das Papier verbrieft die Überrendite eines anderen Vontobel-Papiers, das auf einem gemanagten Portfolio basiert.

Dass das Vontobel-Portfolio aber dauerhaft besser abschneidet als der Markt, ist nicht sicher. Selbst der legendäre Investor Warren Buffet ist in manchen Jahren schlechter als seine Messlatte, der S&P-500-Index. Zuletzt lag die Performance seiner Berkshire Hathaway in den Jahren 2003 und 2004 unter der des S&P.

Glücklicherweise sind Alpha-Strategien aber nicht die einzige Antwort auf fallende Märkte. Wer mit sinkenden Kursen rechnet, kann ganz einfach Strukturen kaufen, die Verkaufspositionen verbriefen. Die einfachste Möglichkeit gibt es an jeder Terminbörse: Sie heißt Put-Option.

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