Bulle und Bär
Knappes wird immer teurer

In der Elite-Uni Yale läuten die Alarmglocken: Der Menschheit gehen die Rohstoffe aus! Die Wissenschaftler Robert Gordon und Thomas Graedel im amerikanischen New Haven warnen vor einer raschen Knappheit wichtiger Ressourcen.

FRANKFURT. Gordon und Graedel haben ausgerechnet, dass die Vorräte an Metallen wie Kupfer, Zink oder Platin schlicht zu gering sind, wenn die Entwicklungsländer westliche Lebensstandards anstreben. Dafür reichen die gesamten in der Erdkruste vorhandenen Rohstoffe nicht aus – und wenn man die über Recycling wiederverwendbaren Bestände dabei mitberücksichtigt.

Die Ergebnisse sind brisant, gerade wegen der beschleunigten Hausse der Rohstoffpreise. So stärkt Yale mit seiner interessanterweise wenig beachteten Studie die Anhänger dieser Investments. Knappe und unverzichtbare Güter werden eben teurer, wenn das Angebot der steigenden Nachfrage hinterherhinkt. Da sind die Wissenschaftler in ihrer Analyse verlässlicher als viele Bankberater und so genannte Finanzexperten, die die beschleunigte Hausse der Rohstoffpreise immer noch ignorieren – obwohl sie seit mehreren Jahren läuft. Auch in den vergangenen Handelstagen wurden wieder Rekordkurse und Höchstpreise gemeldet.

Vor einem knappen Jahr hatte bereits ein von den Vereinten Nationen unterstützter Think Tank, der das Know-How von über tausend Wissenschaftlern vereint, in das gleiche Horn wie die Yale-Experten gestoßen. Hier standen zwar weniger die Metalle im Vordergrund. Es ging um die natürlichen Lebensgrundlagen wie Nahrungsmittel, Wasser, Waldbestände und Energieträger. Aber der Tenor war der gleiche: Wenn die Nachfrage durch stärkere Industrialisierung in den aufstrebenden Ländern weiter wächst, werden die vorhandenen Ressourcen überfordert.

Man fühlt sich an den Club of Rome erinnert. Eine Expertengruppe unter Leitung von Dennis Meadows hatte Anfang der siebziger Jahre mit den „Grenzen des Wachstums“ einen Bestseller produziert. Das Buch schockierte die an stetige Wohlstandsgewinne gewöhnten Leser. Die These damals: Wenn die Umwelt weiter so verschmutzt wird und Weltbevölkerung und Industrie weiter so stark wachsen, drohen bereits vor dem Jahr 2100 Hungersnöte und Rohstoffkrisen.

Meadows machte sich viele Feinde. Seine Gegner warfen ihm beispielsweise vor, bisherige Entwicklungen wie Bevölkerungszunahmen einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Das sei unwissenschaftlich. Trotz aller Kritik hatte die Studie ihr Gutes: Sie gab Denkanstöße.

Der Club of Rome hatte auch noch keine Ahnung von der größten Völkerwanderung aller Zeiten – die erst im folgenden Jahrtausend startete. Viele Millionen Menschen zieht es in die industriellen Wachstumszonen der Schwellenländer. Das untermauert die Warnungen aus Yale – und stärkt die Hoffnungen auf eine lange Hausse der Rohstoffpreise.

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