Bulle & Bär
Können private Anleger es wie die Geier machen?

Wir stecken tief in der Finanzkrise - was noch stärker am Geld- und Kreditmarkt als an den Aktienbörsen zu sehen ist. Spezialisierte Investoren, die so genannten Geierfonds, halten schon Ausschau nach Schnäppchen.

DÜSSELDORF. Sie wollen Kreditpapiere kaufen, die zurzeit niemand haben will, und damit ein gutes Geschäft machen, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat. Können private Anleger es wie die Geier machen? Nach jeder Finanzkrise ärgert man sich ja, nicht beherzt zugegriffen zu haben, als die Kurse unten waren.

An der Börse sind vor allem Finanzwerte unter Druck geraten. Bei manchen fragt man sich, ob der Kursverlust nicht übertrieben ist. Zum Beispiel bei der US-Bank State Street. Sie hat nennenswerte Mittel in "Conduits", also Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz, stecken - aber bisher noch keine größeren Probleme damit, und die müssen auch nicht kommen. Oder die Man-Gruppe, der größte an der Börse notierte Betreiber von Hedge-Fonds. Ihre Chef haben noch im August einen Kurssturz dazu genutzt, Aktien nachzukaufen. Sie leidet darunter, dass Hedge-Fonds zurzeit misstrauisch beäugt werden, hat aber noch keine größeren negativen Schlagzeilen gemacht.

Auffällig ist, dass vor kurzem noch viele US-Manager kräftig Aktien eigener Institute gekauft haben. Auf der anderen Seite bleibt der Geldmarkt sehr angespannt. Die Banker trauen ihren eigenen Instituten offenbar mehr als sich gegenseitig. Die Intransparenz führt tendenziell dazu, dass die Risiken insgesamt überschätzt werden. Wer als Anleger einen Fonds kauft, der die Mittel über viele Banken streut, liegt damit also möglicherweise ganz gut. Zumal in diesen Fonds zum Teil auch Versicherungsaktien enthalten sind, die zurzeit ebenfalls recht billig sind, obwohl sie von der Finanzkrise nur weniger als die Banken betroffen sind.

Die Frage ist letztlich, von welchem Szenario man ausgeht. Die Probleme des Subprime-Marktes - also des für US-Baukredite schlechter Qualität - sind zwar noch längst nicht ausgestanden, aber wahrscheinlich schon zu einem guten Teil in den Kursen der Banken enthalten. Möglich ist aber, dass eine zweite, noch größere Welle von Problemen durch ganz normale Baufinanzierungen in den USA entstehen, die wegen gestiegener Zinsen und sinkender Häuserpreise faul werden. Ob die Risiken einer solchen zweiten Welle schon in den Kursen enthalten sind, ist fraglich. Wer dieses Szenario - das ganz und gar nicht abwegig ist - unterstellt, sollte also das Pulver noch trocken halten.

Eine einfachere Chance, von der Krise zu profitieren, bieten Hochzinsanleihen, möglicherweise auch in Fonds verpackt. Falls es eine zweite Welle mit größeren Problemen gibt, werden sie zwar noch weiter unter Druck geraten. Aber sie bieten ein vernünftigeres Verhältnis von Rendite und Risiko als vor der Krise.

Fazit: Es fordert hohe Risikobereitschaft, an der Krise verdienen zu wollen. Aber das geht den Geierfonds nicht besser.

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