Bulle & Bär
Konkurrenz für den Dax

Im kommenden Jahr feiert der Dax seinen 20. Geburtstag. Im Vergleich mit anderen internationalen Aktienbarometern wie dem Dow Jones (seit 1896), dem S&P 500 (1957) und dem Nikkei (1971) ist der deutsche Leitindex damit zwar ein Küken. In der Heimat aber ist er nicht nur einer der Senioren, sondern auch der klare Primus unter den Aktienindizes.

FRANKFURT. In jüngster Zeit bekommt der Dax jedoch zunehmend Konkurrenz – und zwar auch aus dem eigenen Lager. Die Deutsche Börse geht mit dem Namen ihres Zugpferdes auf Kundenfang. Unter dem Label „Dax global“ bietet sie Länderindizes auf Russland, Indien und die Bric-Region als Ganzes an. Über „Dax-plus“-Indizes können Anleger außerdem bestimmte Anlagestrategien abdecken.

Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Die Börse in Stuttgart bietet seit einigen Monaten gemeinsam mit der Zertifikate Journal AG anderthalb Dutzend Indizes der Marke „S-Box“ an, die auf aktuelle oder erwartete Trends an den Finanzmärkten abzielen. Indexanbieter wie Stoxx sind ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und haben ihre Produktpalette ausgedehnt. Und nicht zuletzt kreieren Banken kontinuierlich neue Barometer für diverse Themen, Rohstoffe und Regionen.

Auslöser der Index-Flut ist der Drang der Zertifikate-Emittenten zu immer neuen Innovationen. Nachdem sie die Standardindizes wie Dax und Euro-Stoxx- 50 mit allen Arten von Produkten überzogen haben, brauchen die Banken alternative Barometer als Basiswerte für neue Papiere, mit denen sie Kunden anlocken.

Den Anlegern kommt diese Entwicklung generell zugute. Je breiter das Produktspektrum, desto besser können sie ihr Depot regional und thematisch diversifizieren und es optimal auf die eigene Markteinschätzung abstimmen.

Wahllos sollten sich Investoren aber nicht auf die neuen Barometer stürzen. Denn längst nicht alle halten das, was sie auf den ersten Blick versprechen. Das gilt vor allem für die Zusammensetzung. Zwar haben alle Indizes gemeinsam, dass sie nach festen Kriterien zusammengestellt und regelmäßig überprüft werden. Wenn es in die Details geht, gibt es aber deutliche Unterschiede.

Gerade bei Nischenthemen sollten die Anleger zudem auf eine vernünftige Risikostreuung achten. Indizes wie etwa der „S-Box-Sicherheitsverwahrung“, der nur aus vier Aktien besteht, bieten diese sicher nicht. Auch Produkte, die einzelnen Aktien ein Gewicht von 25 Prozent und mehr zubilligen, sollten Anleger nur mit spitzen Fingern anfassen. Die starke Fokussierung auf einige wenige Titel erhöht zwar die Renditechance, wenn die Wette aufgeht. Andererseits steigt die Gefahr starker Schwankungen und deutlicher Rückschläge.

Schließlich empfiehlt sich bei Indizes, die von den Banken selbst entwickelt werden, ein genauer Blick auf die Kosten. Ausgabeaufschlag und Managementgebühr summieren sich hier schnell auf drei bis vier Prozent. In dieser Hinsicht kommen Anleger bei Produkten auf den guten alten Dax auf jeden Fall günstiger weg.

drescher@handelsblatt.com

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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