Bulle & Bär: Kreditrisiko für Kleinanleger
Undurchsichtige Zertifikate gefährden den Ruf der Anlageklasse

In den Augen ihrer Kritiker sind Zertifikate und Optionsscheine der reine Nepp. Unverständlich, intransparent, unfair – so werden die innovativen Finanzprodukte oft betitelt. Meist entspringen solche Vorurteile vor allem dem Neid der Verkäufer anderer Anlageformen, die von 50 Prozent jährlichen Wachstums – wie in der Zertifikatebranche – nur träumen können.

DÜSSELDORF. Die Vorwürfe sind zu einem großen Teil unberechtigt: Bei vielen Zertifikateklassen ist der Margendruck inzwischen derart hoch, dass unfaire Preise sofort am Markt abgestraft würden. Das gilt allerdings nicht für alle Produkte.

Zertifikate sind Finanzprodukte, deren Preis von der Entwicklung anderer Werte, beispielsweise Aktien oder Indizes, abhängt. Grundsätzlich gilt: Je komplizierter ein Papier konstruiert ist, desto weniger können Anleger nachvollziehen, wie viel Marge die Bank für sich und den Vertrieb einrechnet. Bei Papieren, die aus mehreren Optionen oder Futures gestrickt sind, verlieren selbst Fachleute schnell den Durchblick.

In diesem Fall hilft oft der Markt weiter. Weil viele Anbieter sehr ähnliche Papiere verkaufen, setzen sich die günstigsten durch. Die Konkurrenz der Papiere sorgt dafür, dass die Preise zunehmend sinken und sich dem Wert der Bestandteile der Zertifikate annähern. Beispiele dafür sind Index- und Discountzertifikate auf Basis des Deutschen Aktienindex (Dax) oder sehr liquider Aktien wie Daimler-Chrysler. Solche Papiere gibt es in ähnlicher Ausstattung massenhaft.

Doch leider hat der Markt auch Grauzonen. Dort, wo Emittenten immer neue Papiere erfinden, bieten sie den Kritikern noch immer schillernde Konstruktionen, die viele Vorurteile bestätigen.

Ein besonders undurchsichtiges Beispiel ist die Crelino-Anleihe der Hypo-Vereinsbank (HVB). In dem Zertifikat bündelt die Bank einen ganzen Strauß unterschiedlicher Risiken und gibt sie an die Anleger weiter. So sind die Zinszahlungen der Anleihe davon abhängig, dass sich der Interbanken-Zinssatz Euribor innerhalb bestimmter Spannen, die sich jährlich ändern, bewegt. Maximal 7,5 Prozent Zinsen pro Jahr verspricht die Bank den Käufern des Produkts. Für jeden Tag, an dem der Euribor außerhalb der vorgegebenen Spanne notiert, wird von den Zinsen etwas abgezogen. Gleichzeitig behält sich die HVB vor, die Zinszahlung – wann immer sie will – auf vier Prozent zu kappen. Und das für den Rest der Laufzeit. Besonders ärgerlich: Das Risiko des Anlegers bleibt trotzdem unverändert.

Denn ob das angelegte Geld zurückgezahlt wird, hängt vom Geschäftsverlauf sechs großer deutscher Unternehmen ab. Tritt bei einem der Werte ein so genanntes Kreditereignis ein, wie beispielsweise Zahlungsunfähigkeit oder Umschuldung, dann vermindert sich die Rückzahlung. Selbst wenn nur eines der Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, kann der Zertifikatekäufer alles verlieren. Unschön ist zusätzlich, dass mit Tui und Infineon zwei Unternehmen im Korb enthalten sind, für die es nicht einmal ein Kreditrisiko-Rating gibt.

Die meisten Anleger haben das Papier offenbar links liegen gelassen – und damit eine wichtige Regel für den Zertifikate-Kauf befolgt: je einfacher, desto besser. Kaufen Sie am Finanzmarkt niemals, was sie nicht verstehen! Überraschungen aus der Wundertüte hält das Leben schon genug bereit.

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