Bulle & Bär
Kupfer – heiß begehrtes Metall

Alle scheinen sich momentan darum zu reißen, selbst Ganoven greifen beherzt nach Kupfer. Vor diesem Hintergrund könnte der größte börsengelistete Kupferproduzent entstehen, denn Freeport McMoran bemüht sich derzeit um Phelps Dodge.

HB FRANKFURT. Bei Kupfer ist der Teufel los. Die täglichen Meldungen über Preistalfahrten, Preissprünge, Minenübernahmen und bizarre Preisschätzungen stellen jede Doku-Soap in den Schatten. Und sollte es eines weiteren Argumentes bedürfen, um die Privatfernsehtauglichkeit der Metall-News auch zu Nachmittagszeiten zu belegen: die täglichen Nachrichten über den Kupferklau, seien es Drähte, Rohre oder Grabbeilagen, reichen dazu allemal.

Ins breitere Bewusstsein rückt das Thema, weil Freeport McMoran nach Phelps Dodge gegriffen hat. Das fusionierte Minenunternehmen wäre der weltgrößte börsengelistete Kupferproduzent. Beim Kaufpreis legte Freeport locker ein Drittel des Börsenwertes von Phelps Dodge drauf. Die spannende Botschaft des Milliarden-Deals für Anleger: Wer so viel zahlt, der denkt sich was dabei. Und nebenbei lässt er die große Mehrheit der Analysten alt aussehen. Die hatten nämlich in der Vergangenheit den Kupferpreis als viel zu hoch einstuft und eine Talfahrt prognostiziert.

In die Gruppe der Skeptiker reihte sich auch Merrill Lynch ein. Die Prognostiker des Hauses sehen im kommenden Jahr den Preis auf mindestens 5 300 Dollar je Tonne abstürzen. Doch Credit Suisse tanzt aus der Reihe. Die Schweizer erwarten eine anhaltende Knappheit und im kommenden Jahr einen Preis von 12 000 Dollar. In den vergangenen Jahren hatten sich die Notierungen bereits vervielfacht und im Mai bei 8 800 Dollar einen Rekord markiert. Jetzt kostet die Tonne 7 000 Dollar. Übrigens teilt der Vorstand von Freeport den Optimismus der Credit-Suisse-Experten: Kupfer sei ein Rohstoff, den die stark wachsenden Länder in Asien oder Südamerika einfach brauchten.

Das Metall ist mittlerweile auch für Ganoven attraktiv. Magdeburg meldete in diesem Jahr schon 112 Fälle von Kupferklau. Weit über 50 mal schlugen die Kriminellen allein auf Bahnhofsanlagen zu. Inzwischen überwachen Polizisten die begehrten Oberleitungen aus Kupfer mit Hubschraubern. In einem Mehrfamilienhaus ließen die Diebe 100 Meter neuer Leitungen mitgehen. Das Geschäft läuft gut: Für ein Kilogramm Kupfer zahlen die Schrotthändler inzwischen fünf Euro.

Auch in anderen Ländern wird geklaut – die Globalisierung lässt grüßen. In Italien beispielsweise hat die Versorgerfirma Acea in diesem Jahr bereits 70 Kilometer Kupferkabel durch Diebstahl verloren. Im vergangenen Monat legte ein durch Kabelklau verursachter Blackout die Bahnstation an Roms Flughafen Leonardo da Vinci für sechs Stunden lahm.

Derzeit lautet eine der wichtigsten Fragen jedoch: Wird die sich andeutende Wirtschaftsabschwächung in den USA die Kupferpreise belasten? Die Analysten der Credit Suisse lassen sich nicht beirren. Immerhin wagten sie schon im vergangenen Jahr mit 8 000 Dollar für 2006 eine mutige Preisprognose – und haben Recht behalten.

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