Bulle & Bär
Kursturbulenzen: Die Spaßbremse löst sich

Zumindest etwas Wasser auf die Mühlen bekamen gestern all diejenigen, denen der nahezu ungebremste Kursaufschwung der vergangenen Wochen schon lange suspekt war – und die schon sie seit Monaten, wenn nicht gar Jahren vor einem Einbruch warnen.

FRANKFURT. Es ist wohl eine Mentalitätsfrage der Deutschen, dass sie auch in der schönsten Börsenphase seit Jahren noch immer ein paar Aspekte finden, die die gute Laune trüben. Selbst die größten Optimisten unter Fondsmanagern und Anlageberatern fügen ihren Präsentationen vor Investoren stets eine Seite bei, auf der sie auf mögliche Gefahren eingehen. Als Reinwaschung sozusagen, falls es doch anders kommt.

Ganz anders sind da übrigens die Amerikaner. Selbst als es in den letzten Jahren dort konjunkturell und währungstechnisch nicht allzu gut aussah, strotzten die Marktstrategen vor Selbstbewusstsein und lagen damit völlig konträr zu den Markteinschätzungen von Europäern und Asiaten zum US-Markt. Nun ist es nicht so, dass die US-Experten mit verklärtem Blick die heimische Wirtschaft betrachten würden und dabei alles Negative ausblenden. Vielmehr nehmen sie potenzielle Gefahren wohl wahr, überzeichnen sie jedoch nicht. Und lassen dabei gerne die Einstellung walten, dass alles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. In den vergangenen Jahren sind sie damit gut gefahren.

Bleibt somit die Frage, warum ausgerechnet die deutschen Investoren trotz deutlich besserer Vorzeichen als jenseits des großen Teichs noch immer zögerlich sind? Volkswirte wie Ulrich Kater von der Dekabank erklären dies unter anderem mit dem so genannten Post-Bubble-Syndrom. Demnach leiden die heimischen Anleger noch immer an den Nachwirkungen der Börsenblase der Jahre 1999 und 2000. Optimismus wurde damals aufs Schmerzlichste bestraft.

Im Laufe der Jahre hat sich das finanzielle Leiden von damals in ein psychisches Leiden gewandelt, schätzen die Volkswirte. Die Verluste sind verbucht, was bleibt ist die Angst davor, irgendwann mal ähnliches zu erleben. Und die führt dazu, dass für viele Anleger hier zu Lande das Glas noch immer halb leer statt halb voll ist.

Bleibt die Frage, wie lange dieser Zustand anhält? Oder was noch passieren muss, dass endgültig eine neue Zeit anbricht. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, ehe das „Post-Bubble-Syndrom“ letztlich in die Börsengeschichte eingehen wird, meinen Experten. Vielleicht ist das sogar schon in diesem Jahr der Fall.

Kaum auszudenken, was dann passieren würde: Die „Bullen“ am Markt wären plötzlich richtig und nicht nur verhalten optimistisch. Und diejenigen „Experten“, die seit Jahren vor dem großen Einbruch warnen und dabei Kursgewinne von mehreren hundert Prozent versäumt haben, könnten sich nicht mehr mit der vagen Erklärung rausreden: „Der Markt reagiert wieder einmal über.“ Schon jetzt verspricht 2008 ein äußerst spannendes Börsenjahr zu werden.

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