Bulle & Bär
Kurzfristprognosen setzen sich durch

Schwankungen treten nicht erst seit der Finanzkrise immer häufiger am Markt auf. Sie machen Langfristprognosen schier unmöglich. Für Marktstrategen heißt das: Perfektes Timing und Schnelligkeit werden zum obersten Gebot.
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FRANKFURT. Geht es um Marktstrategie, dann wissen erfahrene Börsianer oftmals beim Blick auf den Namen der Bank, ob eine Studie einen positiven oder negativen Grundton hat. Manche Institute stehen über Jahre hinweg konsequent zu ihrer Ausrichtung, ganz egal, ob die Märkte ein anderes Bild abgeben. Die WestLB, die Landesbank Berlin oder M.M. Warburg haben beispielsweise den Ruf, eher Skepsis zu verbreiten. Die Helaba oder auch die Citigroup gelten als offensiver, was die Zukunft angeht. Der Blick ins neue Jahr, den viele Häuser in diesen Tagen abgeben, wird zeigen, ob das auch in Zukunft der Fall sein wird.

Langfristprognosen sind künftig kaum noch möglich

Tendenziell gilt, dass Aussagen in der bisherigen Form künftig weitaus weniger werden. Grund dafür sind die immensen Schwankungen, die nicht erst seit der Finanzkrise immer häufiger am Markt auftreten. Langfristprognosen sind deshalb schier unmöglich. Bestes Beispiel ist das kommende Jahr, in dem die Experten der Unicredit für den Dax am Jahresende mit einer deutlich schwächeren Marktphase rechnen. Davor soll es gerade in der ersten Jahreshälfte jedoch noch einmal spürbar bergauf gehen. Jetzt nur einen Dax-Stand in eine Größenordnung von beispielsweise 5 000 bis 5 500 auf die Prognose zu schreiben, hieße, die potenziellen Chancen des ersten Halbjahres schlicht zu übersehen.

Ein klares Ausdifferenzieren und Kommunizieren solcher Brüche innerhalb eines Jahres wird von Investoren mittlerweile zu Recht erwartet. Perfektes Timing und Schnelligkeit werden deswegen für Marktstrategen in einem verschärften Wettbewerb zum obersten Gebot, wollen sie bei ihren Kunden bestehen. Die Devise, ungeachtet aller gegenteiligen Marktentwicklungen konsequent über Jahre an seinen Aussagen festzuhalten, weil es irgendwann wieder so kommen wird, hat ausgedient.

Ruhephasen sehen viele Börsianer als die größte Bedrohung

Besonders, da die Märkte seit gut zehn Jahren in immer schnelleren Zyklen drehen. Die internationale Vernetzung, die rasant gestiegene Liquididät und der Einsatz stets komplexerer Computerprogramme führen dazu, dass eine Mentalität an den Märkten eingezogen ist, die Ruhephasen als ihre größte Bedrohung ansieht. Geld lässt sich nur verdienen, wenn Kurse steigen oder fallen, so das Motto.

Das Berufsbild der Marktstrategen hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant verändert, bis ins Jahr 2020 wird sich dieser Prozess noch einmal beschleunigen. Überleben kann dabei nur, wer zwischen kurzfristigen Marktverwerfungen und langfristigen Trends differenziert. Und wer sich besonders schnell auf neue Situationen einstellen kann und ganz ohne Eitelkeit dafür auch bereit ist, seine bisherigen Ansichten zu revidieren.

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