Bulle & Bär
Kurzlebiger Erfolg

Gewusst haben wir es irgendwie, aber jetzt ist es bewiesen: Auf einzelne Branchen setzen, lohnt sich nicht. Denn das häufige Auf und Ab geht an der Börse so schnell, dass Anleger – ganz gleich ob Profis oder Laien – den günstigsten Moment in aller Regel verpassen.

Es klingt verlockend: Ende der 90er-Jahre stiegen TMT-Titel von einem Hoch zum nächsten. Über Jahre hinweg. Gemeint sind Aktien aus den drei Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation. Wer vor zehn Jahren auf SAP, Vivendi und Deutsche Telekom setzte, wurde schnell reich. Binnen weniger Monate verdoppelten sich die Kurse, und das gleich mehrfach hintereinander. Unvergessen sind 103,90 Euro, die Anleger am 6. März 2000 für eine T-Aktie zahlten. Vier Jahre zuvor waren es noch 15 Euro.

Doch solche Entwicklungen sind die ganz große Ausnahme. Nicht so sehr, dass Aktien über einen längeren Zeitraum stark steigen. Das gab es nicht nur während des Internetbooms Ende der 90er-Jahre, sondern auch – in schwächerer Ausprägung – in den 80ern oder 50ern. Auch die vor drei Jahren gestartete Hausse kann sich sehen lassen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schaffte bis heute 175 Prozent.

Doch der große Unterschied ist: Anders als Ende der 90er-Jahre tragen diesmal – und so ist es fast immer – fast alle Branchen den Aufschwung. Lediglich die damals favorisierten TMT-Titel hinken hinterher. Grund dafür sind enttäuschte Hoffnungen nach dem tiefen Fall dieser Aktien, aber auch schlechte Perspektiven vieler Telekommunikations- und Medien-Unternehmen.

In der ersten Aufwärtsbewegung 2003 waren es beinahe alle Aktien, deren Kurse sich rasch erholten. Doch dann rotierten die einzelnen Branchen wie Industrie, Finanzdienstleister, Chemie, Pharma, Rohstoffe, ja sogar die arg gebeutelte Baubranche. Mal liegt die eine, kurz darauf schon wieder die nächste vorn.

Mehr noch: Die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity fand heraus, dass sich in den letzten sieben Jahren fast alle Branchen schon mal auf dem ersten und dann wieder letzten Platz in der Kurs-Hitliste wiederfanden. Konsumgüter-Aktien entwickelten sich beispielsweise 2002 am besten, nur ein Jahr später am schlechtesten.

Der kluge Anleger könnte nun denken, einfach auf die kommenden Favoriten zu setzen. Doch wie stelle ich das an? Entwickelt sich eine Branche besser als die andere, steht sie rasch im Rampenlicht der Analysten, der Medien und damit auch im Mittelpunkt der Diskussionen. Mehr und mehr Anleger setzen auf die Favoriten wegen der guten Nachrichten. Der Haken: Einen Großteil der Gewinne hat die Branche zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Nur die wenigsten Anleger waren von Beginn an dabei.

Was lehrt uns das? Auf einzelne Branchen zu setzen, lohnt nicht. Im Gegenteil: Das Risiko, sich die Verlierer von morgen einzuhandeln, ist größer, als die künftigen Gewinner erworben zu haben.

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