Bulle & Bär
Ländergewichtung: Viel Qual – kaum Wahl

Es sind Information wie diese, die die internationalen Aktienmärkte so interessant machen und die für einen Privatanleger doch so schwer mit Leben zu erfüllen sind: Schweden sei derzeit der am stärksten unterbewerte Markt der Welt, haben die Anlageberater der Schweizer Privatbank Pictet gerade berechnet.

FRANKFURT. Über 40 Prozent unter ihrem langfristigen Durchschnitt notieren Aktien dort. Ähnlich, wenn nicht ganz so krass ist die Situation auch in Norwegen und Finnland. Oder in Japan und der Schweiz.

Und was macht der durch diese heißen Infos angefixte Privatanleger dann. Er blickt auf den schwedischen Aktienmarkt und sieht, dass er dort zwischen fünf und neun Unternehmen bestenfalls beim Namen kennt. Was noch lange nicht bedeutet, dass er sagen kann, was diese Unternehmen überhaupt so tun. Noch lustiger wird es beim Blick nach Finnland, wo die Frage nach einer zweiten Aktie nach Nokia meist mit einem Schulterzucken endet. Selbst die größten Titel dort wie Outokumpu oder Rautaruukki hat kaum ein durchschnittlich gebildeter Börsenspekulant in Mitteleuropa jemals gehört.

Was ist also das weitere Vorgehen? Warum nicht einen Fonds oder ein Zertifikat für eines dieser Länder kaufen, und schon kann man von der gesamten Unterbewertung dort profitieren, lautet meist die nächste Idee. Der Gang durch die Produktwelt der großen Anbieter ist jedoch ebenso müßig. Stehen bei ihnen doch Kaffeeplantagen aus Brasilien, Goldminen in Afrika und Schweinefarmen in China derzeit ganz weit oben auf der Angebotsliste. Und mit Schlagworten wie "Bric", "Next 11" und neuerdings "Mena" (Middle East/North Africa) sollen ebenfalls Produkte an den Mann oder die Frau gebracht werden. Nur ausgerechnet diese Länder gelten vielen inzwischen oft als überbewertet.

Wer weiter nach den anfangs angesprochenen unterbewerteten Ländern sucht und Glück hat, der findet bei Anbietern, deren Namen er zumindest schon mal gehört hat, Produkte für den Schweizer oder den japanischen Aktienmarkt. Zwar nicht billig, aber immerhin. Schwerer bis fast unmöglich wird es dagegen in den kleinen, anfangs genannten Märkten. Dort sind zumeist Fonds aus diesen Ländern aktiv, deren Produkte aber nun wieder nicht in Deutschland zum Handel angeboten werden.

Zwei Dinge lassen sich also festhalten: Aktienmärkte, die derzeit als besonders günstig erscheinen, sind für Privatanleger entweder zu klein (Schweden) oder zu weit weg (Japan) oder zu langweilig (Schweiz). Und Produkte darauf gibt es zwar, jedoch gerade bei den kleineren Märkte meist nur dort und für teuer Geld. Angepriesen werden stattdessen Modethemen, deren Verfallsdatum oftmals schon in Kürze ansteht. Die stets beworbenen Schwellenländer beispielsweise sind inzwischen schon überdurchschnittlich bewertet.

Bleibt die Frage, was die Auswahl der attraktivsten Länder den Anlegern bringt. Die Antwort lautet: wenig bis gar nichts.

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