Bulle & Bär
Lahmes Angebot zur Festzeit

Alle Jahre wieder wird es im Advent auch bei der Deutschen Bank festlich. Die Zertifikate-Experten der Bank erfreuen ihre Kunden dann mit einer besonderen Gabe: einer kapitalgarantierten "Anleihe" mit fixem, meist optisch attraktivem Basiszins sowie der - zumindest theoretischen - Chance auf überdurchschnittliche Kupons. In diesem Jahr ist es ein wenig anders.

FRANKFURT. 2004 feierte die "Nikolaus-Anleihe" Premiere. Sie verkaufte sich so gut, dass ihr in den beiden Jahren darauf die Nikolaus-Anleihen 2 und 3 folgten. Auch in diesem Jahr hat die Deutsche Bank den Nikolaus auf Werbetour geschickt. Allerdings trommelt er jetzt für die "Alpha-Zinskicker-Anleihe". Und auch an der Struktur des Nikolaus-Produktes hat Deutschlands größtes Kreditinstitut gebastelt. Statt wie bisher in den ersten Jahren einen hohen Zins als Lockmittel zu bieten, gibt es bei der Zinskicker-Anleihe über die gesamte vierjährige Laufzeit einen Mindestkupon von drei Prozent pro Jahr, der bis auf neun Prozent steigen kann.

Die Berechnung des jährlichen Zinses ist aber wie schon in den Vorjahren hochkomplex. Ausgangspunkt ist ein Aktienkorb aus 20 Titeln internationaler Konzerne. Jährlich im Dezember prüft die Deutsche Bank für jeden dieser Werte, wie er sich seit Auflage des Zertifikats entwickelt hat, bildet aus den Einzelwerten die Durchschnittsperformance und zahlt diese als Kupon aus. Dabei geht jede Aktie, deren Kursentwicklung größer oder gleich null ist, mit einem Beitrag von neun Prozent in die Berechnung ein. Das gleiche gilt bei fallenden Kursen, wenn die jeweilige Aktie besser abgeschnitten hat als der Vergleichsindex Dow Jones Global Titans 50. Einzig wenn ein Wert gefallen ist und das auch noch stärker als der Index, ist sein Performancebeitrag negativ. Unter dem Strich sind die Chancen auf einen höheren Ertrag als die drei Prozent Mindestkupon also gar nicht schlecht. Allerdings dürfte kaum ein Anleger die Struktur durchschauen.

Besser macht es die ABN Amro, die dieses Jahr erstmals mit einer "Weihnachts-Anleihe" in Konkurrenz zur Deutschen Bank tritt. Hier richtet sich der Kupon schlicht nach der Wertentwicklung des Euro-Stoxx-50-Indexes von einem Nikolaustag zum nächsten, die jeder Anleger leicht nachvollziehen kann. Allerdings beteiligt ABN die Anleger nur bis zu einem Anstieg des Euro-Stoxx von sieben Prozent an den Gewinnen. Der Mindestkupon des ebenfalls kapitalgeschützten Zertifikats liegt zudem lediglich bei 1,5 Prozent im Jahr - das ist weniger als die aktuelle Inflationsrate.

Hochkomplexe Nikolaus-Anleihe hier, renditeschwache Weihnachts-Anleihe dort - wahre Geschenke zur Adventszeit sehen anders aus. Als Marketinginstrument für die Banken mögen die Papiere geeignet sein; Anleger sollten sich vom festlichen Schein aber nicht blenden lassen. In Deutschland gibt es mehr als 100 000 Zertifikate. Mit Weihnachten haben davon die wenigsten etwas zu tun. Viele andere Papiere bieten deutlich attraktivere Chance-Risiko-Profile. Und das sollte bei der Geldanlage im Vordergrund stehen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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