Bulle & Bär
Lieber einen Smart vor der Haustür als einen teuren Maybach

Reiche sind ungeheuer eitel, werfen mit dem Geld nur so um sich und müssen der ganzen Welt zeigen, wie ungemein erfolgreich sie sind. Das sind wohl die gängigsten Vorurteile, mit denen sich Millionäre herumschlagen müssen. Doch in Wahrheit ist alles ganz anders.

WIEN. Das meint zumindest der italienische Unicredit-Konzern in seinem "Wealth Society Report", in dem erstmals länderübergreifend Millionäre aus Deutschland, Österreich, Italien und Polen über ihre Sicht der Welt befragt worden sind. Gut 100 Reiche aus den vier Ländern haben sich bereiterklärt, an der anonymen Befragung teilzunehmen. Die interviewten Millionäre sind allesamt Kunden des Private Banking von Unicredit.

Ein Punkt ist aus Sicht der Unicredit ganz wesentlich: Der Millionär pflegt überwiegend die Bescheidenheit, das gängige Vorurteil stimmt also nicht. Ganz besonders ausgeprägt ist diese Haltung in der Bundesrepublik. "Der deutsche Millionär ist stärker als die Reichen aus anderen Ländern daran interessiert, seinen Reichtum nicht zu zeigen", unterstreicht Andreas Wölfer, Private-Banking-Vorstand des italienischen Bankkonzerns.

Auch wenn sie es sich erlauben könnten: Die deutschen Reichen stellen lieber einen Smart vor die Haustür als den sündhaft teuren Maybach. In einer tendenziell eher auf sozialen Ausgleich bedachten Gesellschaft ist die Zurschaustellung des Reichtums schnell negativ besetzt. Wenn dann eine Wirtschaftkrise dazukommt, droht das soziale Gefüge möglicherweise noch eher aus den Bahnen zu geraten.

In Polen gibt es deutlich weniger Vorbehalte

Unicredit-Vorstand Wölfer erkennt bei den Millionären der vier Länder zwar grundsätzlich ähnliche Verhaltensweisen, einige Nuancen gebe es dann aber doch. "In Polen ist der Umgang mit Geld vorbehaltloser", konstatiert der Bankmanager im Vergleich zu Deutschland. Hintergrund: Millionäre gibt es in Polen erst wieder seit rund 20 Jahren. Daher sind die Reichen im Osten durchschnittlich deutlich jünger als im Westen. Dass die Polen "nur" neureiche Millionäre sind, kann ihnen beim besten Willen niemand vorwerfen: Berliner Mauer und Eiserner Vorhang hatten so gut funktioniert, dass im (polnischen) Sozialismus nur sehr wenige richtig reich werden konnten.

Österreichische Millionäre verhalten sich grundsätzlich wie die Deutschen - äußerst diskret. Mancher meint sogar, der Sozialneid sei in der Alpenrepublik noch stärker als in Deutschland ausgeprägt. Italiens Millionäre hingegen bestätigen ein altes Vorurteil: "Die Familie steht im Vordergrund", so Wölfer. Alles andere wird dann zur Nebensache, also auch das Geld. Es zählen einzig Mama und die Bambini. Welch? gute Nachricht!

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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