Bulle & Bär
Londons eiserne Lady

Oops! ... I did it again“, mit diesem Titel hatte Teenie-Star Britney Spears vor einigen Jahren einen ihrer größten Hits. Der Song müsste Clara Furse, der Chefin der Londoner Börse (LSE) eigentlich gut gefallen, denn auch sie hat „es“ schon wieder getan. Am vergangenen Wochenende schickte sie den vierten Bieter für die LSE in die Wüste.

LONDON. Das feindliche Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Nasdaq scheiterte kläglich. Gerade einmal 0,4 Prozent der Anleger boten der amerikanischen Technologiebörse ihre Aktien an. Mit seinem nächsten Versuch muss Nasdaq-Chef Bob Greifeld laut britischem Übernahmerecht mindestens ein Jahr warten, es sei denn, es taucht ein neues Gebot auf.

Die Nasdaq hat eine peinliche Niederlage erlitten, keine Frage. Aber darf sich Furse tatsächlich als Siegerin fühlen? Droht der LSE-Aktie jetzt, da die streitbare Managerin quasi alle potenziellen Bieter vergrault hat, nicht der Absturz?

Eines ist auf jeden Fall klar: Die LSE ist auch nach dem gescheiterten Nasdaq-Angebot keine Aktie wie jede andere. Die Amerikaner halten nach wie vor ein Paket von 29 Prozent an der Londoner Börse, das sie sich am Markt zusammengekauft haben und wohl erst einmal behalten werden. Weitere 25 Prozent liegen in der Hand von Hedge-Fonds. In dieser Konstellation ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Furse das tun darf, was sie am liebsten tun würde: das Geschäft der LSE in aller Ruhe weiterentwickeln.

Dabei hat Furse in den vergangenen Jahren einen guten Job gemacht. In schöner Regelmäßigkeit meldet die LSE neue Rekorde bei den Handelsumsätzen. Allerdings dürfte das in den kommenden Monaten schwieriger werden. Der Londoner Börse droht Konkurrenz durch die bedeutendsten Investmentbanken, die bis November ihre eigene Aktienhandelsplattform aufbauen wollen. Außerdem profitierte die Londoner Börse in den vergangenen Jahren von idealen Bedingungen in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten.

Das wird nicht ewig so bleiben, und der Abschwung wird London besonders hart treffen. Denn anders als der Konkurrent Deutsche Börse hat die LSE kein Derivategeschäft, das einen Einbruch am Kassamarkt abfedern könnte.

In den vergangenen drei Jahren hat sich der Kurs der LSE auf knapp 12,80 Pfund mehr als verdreifacht. Allzu große Sprünge sollten die Aktionäre nicht mehr erwarten. Am ehesten könnte noch neue Fusionsphantasie der Aktie frisches Leben einhauchen. Doch eine weitere Bieterschlacht ist derzeit wenig wahrscheinlich. Die Nasdaq würde mit Sicherheit versuchen, jeden Angreifer mit ihrem 30-Prozent-Paket in die Flucht zu schlagen.

Einen Kurssturz müssen die Aktionäre der LSE aber auch nicht befürchten. Die Nasdaq und die meisten Hedge-Fonds haben ihren Anteil an der Londoner Börse zu Kursen von deutlich über 11,50 Pfund gekauft. Weder Greifeld noch die Spekulanten werden sich Verluste einfangen wollen, indem sie ihre Papiere unüberlegt auf den Markt werfen.

maisch@handelsblatt.com

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