Bulle & Bär
Luftfahrt-Aktien: Himmel für Haifische

Lufthansa schnappt sich Austrian Airlines, Ryanair startet den zweiten Übernahme-Anlauf bei Aer Lingus. British Airways hat sich mehrere Ziele ausgesucht: ihre Partner Qantas und Iberia. Angelockt von den gesunkenen Bewertungen gehen die großen Spieler auf die Jagd - und der sonst so friedliche Himmel wird zum Haifischbecken.

DÜSSELDORF. Finanzkrise und nahende Rezession treffen die Luftfahrtaktien zwar hart. Doch angelockt von den gesunkenen Bewertungen gehen die großen Spieler nun auf die Jagd, um sich den Zugang zu lukrativen Märkten günstig zu sichern. Welche Chancen eröffnet der angelaufene Fusionspoker für Anleger? Die Spekulation auf Kursgewinne der Übernahme-Kandidaten ist eine kurzfristige und riskante Strategie. Daher lohnt eher der Blick auf die Titel der Käufer.

Mit dem Gebot für Aer Lingus erfüllt sich Ryanair-Chef Michael O'Leary zum einen den Wunsch, eine Low-Cost-Airline für Langstreckenflüge aufzubauen. Die Flugzeuge und die Strukturen dafür hat Aer Lingus. Zum anderen würde Ryanair in Irland und Großbritannien seine Position deutlich ausbauen. Doch hier ist der Haken: Die EU-Kommission hat bereits den ersten Übernahme-Anlauf blockiert. Ob sich die EU-Kommission dieses Mal erweichen lässt, ist sehr fraglich. Am Ende hätte Ryanair nichts gewonnen. Der Aktienkurs, der seit dem Tief im Oktober bei 1,90 Euro nun wieder auf gut 3,20 geklettert ist, dürfte einen Dämpfer bekommen.

British Airways steht vor einem Dilemma: Die Chefs von Iberia und Qantas haben bereits eingeräumt, dass die Dreier-Fusion nicht zu stemmen sei. Doch British-Airways-Chef Willie Walsh steht unter Zugzwang. Die Konkurrenten Air France-KLM und Lufthansa haben bereits ihre Position ausgebaut. Ein Zusammengehen mit Qantas bringt Branchenkennern zufolge kaum zusätzliche Einsparungen. Die Airlines vermarkten bereits Flüge gemeinsam. Iberia wäre da der bessere Partner. Doch mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,8 Mrd. Euro sind die Spanier mittlerweile fast so groß wie die gebeutelten Briten, deren Marktwert auf gut 2,2 Mrd. Euro gefallen ist. Die Spanier pochen auf bessere Konditionen.

Lufthansa wird am ehesten als Sieger aus der Übernahmejagd hervorgehen. Denn das Management der Kranich-Linie hat sich kleinere Übernahmehappen ausgesucht, die nicht so schwer im Magen liegen. Das Angebot, die marode Alitalia mit viel Geld und gegen den Widerstand der Gewerkschaften wieder flott zu machen, haben die Deutschen abgelehnt.

Zwar ist auch Austrian Airlines ins Trudeln geraten. Doch die Kranich-Linie hat bereits Erfahrungen mit wankenden Gesellschaften, wie etwa der Swiss gesammelt. Solange sich die Deutschen weiter bescheiden geben, werden sie die Austrian-Übernahme gut verdauen und die Konkurrenz bei den lukrativen Strecken nach Osteuropa auf Distanz halten, wohin Austrian traditionell gute Verbindungen hat. Ein weiterer Pluspunkt für die Lufthansa-Aktie ist die stattliche Dividendenrendite von rund zwölf Prozent und das günstige Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) von gut zwei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%