Bulle & Bär
Lufthansa-Anleihe: Investoren ohne Flugangst

Selten war eine neue Anleihe so ein Überflieger wie das in dieser Woche platzierte Papier der Deutschen Lufthansa.

FRANKFURT. Die professionellen Investoren rissen den Konsortialbanken den 500 Millionen Euro schweren Bond aus den Händen, so dass die Deutsche Bank, Helaba, Morgan Stanley und UBS am Ende stolz von einer sechsfachen Überzeichnung sprechen konnten. In der kommenden Woche wird die Anleihe, die in Stücken von je 1 000 Euro gehandelt wird, an der Börse eingeführt. Und es ist zu erwarten, dass sich Privatanleger schon allein wegen des prominenten Namens auf die neue Anleihe stürzen.

Dabei sollte die Anleger aber stutzig machen, dass die Lufthansa sich durch die Emission nach Meinung von Analysten „sehr günstig refinanzieren“ konnte. Das heißt im Umkehrschluss nämlich, dass Anleger für den Bond eher wenig Rendite bekommen. Die Emissionsrendite für die in sieben Jahren fällige Anleihe lag bei knapp 4,70 Prozent. Bereits gestern stieg der Kurs und die Rendite sank etwas. Das ist angesichts der großen Nachfrage kein Wunder. Doch auf längere Sicht sind Kursverluste bei der Anleihe wahrscheinlich, so dass sich Privatanleger gründlich überlegen sollten, ob sich der Einstieg jetzt lohnt.

Die Lufthansa war bei den professionellen Investoren schon allein deshalb gefragt, weil sie bislang keinen größeren Bond auf dem Markt hatte. Und Großanleger sind ständig bestrebt, ihr Portfolio zu diversifizieren, da ist ein neuer Name oft ein Selbstläufer. Dazu kommt, dass die Lufthansa unter den Fluggesellschaften die solidesten Bilanzen aufweist. Mit dem Geld aus der Anleihe will die Lufthansa vor allem Verbindlichkeiten ablösen. Nach Einschätzungen von Fachleuten braucht der Konzern das Geld aber nicht wirklich, sondern nutzt schlicht die gute Gelegenheit zur Schuldenaufnahme auf dem Kapitalmarkt.

Die Lufthansa erwirtschaftet seit zwei Jahren wieder einen Nettogewinn. In Europa ist sie die einzige Fluggesellschaft, die von den Ratingagenturen Standard & Poors und Moody’s das Gütesiegel „Investmentgrade“ für solide Schuldner bekommt.

Bei Moody’s ist die Lufthansa aber dennoch nur eine Stufe vom unsicheren Junk-Bond-Rating entfernt. Das Lufthansa Management unter Konzernchef Wolfgang Mayrhuber betont zwar, dass es eines der obersten Ziele sei, das Investmentgrade-Rating zu halten, aber in der krisenanfälligen Branche kann sich das schnell ändern.

Terroristische Anschläge, Naturkatastrophen und nicht zuletzt der steigende Öl- und Kerosinpreis können sich trotz der vorsichtigen Finanzstrategie der Lufthansa schnell negativ auf das Finanzprofil oder zumindest auf die Einschätzung der Märkte auswirken. So musste die Lufthansa nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine geplante große Anleiheemission absagen, weil sich nicht genug Investoren gefunden hatten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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