Bulle & Bär
Medienfirmen – Hoffnung für die ewig Letzten

Antizyklische Investoren haben es derzeit schwer. Wer sich an den europäischen Aktienmärkten im Hinblick auf die Branchenallokation anders als die breite Masse positionieren will, muss sich seit Beginn der jüngsten Hausse im Jahr 2003 zwischen drastisch stark und moderat gestiegenen Aktien entscheiden. Wirklich desaströse Charts sind rar. Doch es gibt sie.

DÜSSELDORF. Ein über jeden Zeitraum verlässlicher Kandidat für die rote Laterne in Performanceranglisten – und damit einer antizyklischen Investmentchance – sind allerdings europäische Medienaktien: Der Branchenindex Stoxx 600 Media hinkt inzwischen im siebten Jahr in Folge dem Gesamtmarkt hinterher. Selbst über zehn Jahre wäre ein Sparbuch ertragreicher gewesen als europäische Medientitel, die seit 1996 im Schnitt nicht einmal ein halbes Prozent pro Jahr zulegen konnten. Längst haben Investoren desillusioniert die Segel gestrichen: Alle in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Index- und Branchenfonds für Medienaktien zusammen verwalten nach den Exzessen zur Jahrtausendwende heute nur noch 80 Mill. Euro.

Auf den ersten Blick ist die Aversion der Anleger verständlich. Die Musikbranche schrumpft, die Mediennutzung ist im konstanten Wandel, und die Telekom-Konzerne drängen in den Wettbewerb um den Zugang zu den Kunden. Doch allen Unkenrufen zum Trotz prognostizieren die Analysten von Pricewaterhouse Coopers (PWC) der Branche bis 2010 ein jährliches Wachstum von über sechs Prozent, getrieben vor allem von der Digitalisierung und der Internetnutzung. „Die Branche ist insgesamt nicht mehr so stark vom Werbemarkt abhängig wie vor einigen Jahren und zumindest im historischen Vergleich günstig“, sagt auch Florian Leinauer, Analyst der Helaba Trust. Die im Branchenindex Stoxx Media 600 enthaltenen Titel sind aktuell im Schnitt mit dem 15-Fachen der für 2007 erwarteten Gewinne bewertet und zahlen eine Dividendenrendite von 2,8 Prozent.

Mutig voran schreitet seit einiger Zeit ein prominenter Antizykliker: Der 30 Mrd. Euro schwere Templeton Growth Fund hat inzwischen 12,2 Prozent seines Fondsvermögens in Medienaktien investiert – so viel wie in keine andere Branche. Das entspricht einer mehr als vierfachen Übergewichtung gegenüber dem Vergleichsindex MSCI World, in dem Medienaktien mit weniger als drei Prozent vertreten sind. Manager Murdo Murchison hält laut dem letzten Jahresbericht große Aktienpositionen in den britischen Medienaktien BSkyB und Pearson sowie den niederländischen Reed Elsevier und Wolters

Kluwer.

Wer die antizyklische Wette wagen will, ist – auch mangels Auswahl an Vehikeln – mit einem diversifizierten Indexinvestment gut bedient, etwa mit einem Indexfonds auf den 37 Werte umfassenden Stoxx 600 Media. Lediglich die französische Vivendi ragt mit einem Indexgewicht von 18 Prozent heraus, auf die übrigen TV-Sender, Verlage und Mischkonzerne entfallen zwischen ein und sieben Prozent Indexgewicht.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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