Bulle & Bär
Meisterschaft ohne Wert

Die Jahresendrally, die den Deutschen Aktienindex noch einmal von 7 500 bis in den Bereich von 8 000 Punkten führte, neigt sich ihrem Ende entgegen. Für Freunde der Statistik versprechen die Aktienmärkte aber noch einige Spannung ? steht doch die Entscheidung über die Jahressieger in vielen Indizes noch aus.

FRANKFURT. Das war es dann also mit dem Börsenjahr 2007. Offensichtlich geht der Jahresendrally, die den Deutschen Aktienindex (Dax) immerhin noch einmal von 7 500 bis in den Bereich von 8 000 Punkten führte, allmählich die Luft aus. Neue Hochs sind nach Meinung der meisten Experten in den letzten Handelstagen jedenfalls nicht mehr zu erwarten, zumal manch ein Marktteilnehmer nach dem insgesamt doch erfreulichen Jahresverlauf hier und da noch ein paar Kursgewinne mitnehmen dürfte.

Für Freunde der Statistik versprechen die Aktienmärkte aber noch einige Spannung ? steht doch die Entscheidung über die Jahressieger in vielen Indizes noch aus. Besonders eng ist die Situation aktuell im Dax: Nachdem die Aktie des Autobauers Volkswagen lange Zeit wie der sichere Jahressieger aussah, gibt es hier nun doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen VW und Deutscher Börse. Montag Mittag trennten die beiden Papiere gerade einmal 0,5 Prozentpunkte.

Auch in anderen deutschen und internationalen Indizes gibt es um die Podiumsplätze in der Jahresabrechnung einen harten Konkurrenzkampf: Im marktbreiten deutschen Prime-All Share-Index etwa duellieren sich World of Medicin und LHS um den Titel. Im MDax haben mit SGL Carbon, Wacker Chemie und Gildemeister gleich drei Aktien noch Chancen auf den Titel. Und im prominenten Dow-Jones-Index liegen mit McDonald?s, Merck, Honeywell und Coca-Cola gar vier Aktien Kopf an Kopf an der Spitze.

Für die Firmen selbst ist der erste Platz in der Jahresendabrechnung ein schöner Prestigeerfolg. Für Anleger haben die Ranglisten aber einen zweifelhaften Wert. Denn eine Gesetzmäßigkeit, wonach gute Aktien eines Jahrgangs auch in den folgenden Monaten hohe Gewinne erzielen, lässt sich statistisch nicht ableiten. Das zeigt schon ein Blick auf die Kursentwicklung der Vorjahressieger: Während TecDax-Sieger Nordex seinen Börsenwert 2007 erneut mehr als verdoppelte, dümpeln die Papiere von Thyssen-Krupp als bestem Dax-Wert 2006 aktuell auf Vorjahresniveau. Noch schlimmer erwischte es den MDax-Gewinner Deutz mit 30 Prozent Minus, und die beste deutsche Aktie des Vorjahres, die des Spezialchemieunternehmens H&R Wasag hat sogar fast die Hälfte an Wert eingebüßt.

Geht man in der Statistik weiter zurück, wird das Bild nicht klarer. Und zwar weder bei den Siegern noch auf der Verliererseite. Zwar laufen viele Aktien, die ein Jahr am Ende der Rangliste abschließen, auch im Folgejahr unterdurchschnittlich. Eine Regelmäßigkeit gibt es aber nicht. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Nordex: Die Aktie war im Jahr noch Schlusslicht im TecDax, ehe sie 2006 Platz eins errang.

Einen Startvorteil für 2007 bringt Anlegern leider auch dieses Beispiel nicht. Mut macht es lediglich den Aktionären von Hypo Real Estate und Infineon: Die beiden Aktien liefern sich mit jeweils gut 20 Prozent Minus seit Jahresanfang noch einen heißen Kampf um die rote Laterne im Dax.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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