Bulle & Bär
Mit dem Bären ringen

Die Jäger im Bayerischen Wald geben dem eingewanderten Braunbären keine Chance. An den Börsen hat das Raubtier – als Symbol der Baisse – eine bessere Überlebenschance. Das deuten die womöglich langfristige Wende an den Anleihemärkten sowie die schwierige Lage an den Aktien- und Devisenbörsen an.

FRANKFURT. Ursachen der Abwärtstrends gibt es zuhauf. Es sind neben wachsenden Verschuldungen und anderen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten die Risiken außerhalb des Finanzsektors: geopolitische Spannungen wie die Irankrise, Verteilungskämpfe um endliche Ressourcen, Kampf der Kulturen, weltweite Seuchen. Noch nie war die Menschheit mit einer solchen Fülle globaler Risiken konfrontiert. Viele der eskalierenden Probleme sind wirtschaftlichen Ursprungs. Doch viele andere Risikoquellen sind externer Natur – und das ist neu.

Noch nie war deshalb auch aus Anlegersicht grenzüberschreitendes Denken so nötig wie heute. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, dass die Deutsche Bank-Tochter DWS nun erstmals ein Produkt präsentiert, das eine Antwort auf diese neue Risikovielfalt geben soll. Es handelt sich um einen Dachfonds mit Zertifikate-Beimischung, der beispielsweise in Fonds für Schweizer-Franken-Anleihen und inflationsgeschützte Bonds investiert.

Mit dem „DWS Funds World Risk Master“ versucht sich der führende deutsche Fondsanbieter also als Pionier zu positionieren. Andere Branchenvertreter haben bisher nichts Vergleichbares auf die Beine gestellt, dürften aber schnell folgen, zumal diese Risiken ja nicht über Nacht entstanden sind und die Weltfinanzmärkte schon längere Zeit beschäftigen.

Um den Produktabsatz zu forcieren, setzt DWS nicht nur auf altbewährte Marketinginstrumente, sondern auch auf alarmierende Presseberichte, Schlagzeilen und einen prominenten Medienmann. Der Prospekt wimmelt von Zitaten aus Tageszeitungen und Magazinen zur Untermauerung der drohenden Gefahren, wogegen nichts einzuwenden ist.

Richtig ankurbeln soll den Absatz aber Markus Koch. Der durch Funk und Fernsehen bekannte Börsenkommentator aus New York steht jetzt auf der Gehaltsliste der DWS: Als unabhängiger Journalist bei Privatanlegern anerkannt, tritt er nun als eine Art Bürge für die Solidität des neuen Fonds auf. Das hat ein Geschmäckle, wie der Schwabe sagt: Was schon bei Kerner und Air Berlin nicht sauber war, passt auch bei Koch und dem Katastrophenfonds nicht. Aber das ist noch nicht alles. Knapp ein Drittel der Fondsmittel fließt in Zertifikate für Edelmetalle, Energie und Immobilien, und deren Auswahl bestimmen die Experten des Magazins Zertifikate-Journal.

Diese unselige Vermischung von Produktwerbung und längst nicht mehr unabhängigem Journalismus sollte Anlegern zu denken geben. Schade, dass die vielleicht wegweisende Fondsidee dadurch abgewertet wird.

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