Bulle & Bär
Mit der heilen Versicherungswelt ist es vorbei

Nach und nach bekommen wir eine neue Lebensversicherungswelt. Und das ist eine gute Nachricht. Jahrzehntelang hatte die Branche ihre Privilegien verteidigt.

DÜSSELDORF. Die Lebensversicherung war der Deutschen Liebling. Auf den ersten Blick ist sie ein simples und sicheres Produkt, dazu war sie noch mit üppigen Steuervorteilen ausgestattet. Da konnte im Vertrieb, der üppige Provisionen kassierte, gar nichts schief gehen. Immer wieder haben Politiker versucht, dieses Paradies zu zerstören. Aber die Versicherer hatten gute Argumente, clevere Fachleute und jede Menge Kunden auf ihrer Seite.

Mit dieser heilen Welt ist es vorbei. Das Steuerprivileg für die klassische Lebensversicherung ist gefallen. Die Gerichte mahnten eine höhere Transparenz der Produkte an. Der Gesetzgeber folgte – und jetzt ist die Branche selbst bereit, den Kunden Einsicht zu gewähren; nur wer weiß, wie lange sie sich zäh dagegen gewehrt hat, versteht, dass dies ein historischer Einschnitt ist.

Parallel dazu hat die Politik selbst die Vorsorge entdeckt. Sie hat neue Produkte – Riester- und Rürup-Renten – entwickelt. Für diese Produkte gelten strengere Vorschriften in puncto Provisionen und Transparenz. Dies trug ebenfalls dazu bei, die Welt der Lebensversicherer zu verändern – allerdings mit gemischten Resultaten. Denn die neuen Produkte wurden mit deutscher Gründlichkeit entworfen und sind entsprechend kompliziert.

Veränderungen brachte aber auch der Markt. Zuerst kamen die Fonds als große Konkurrenten für die Vorsorge auf, danach Zertifikate. Beide bieten große Möglichkeiten – vor allem den Reiz, direkter am Börsengeschehen teilzunehmen. Und nicht zuletzt entsteht in der Branche selbst Veränderungsdruck. Die Probleme an der Aktienbörse nach dem Boom der Jahrtausendwende und die anhaltend niedrigen Zinsen bringen das klassische Modell der Lebensversicherung in Schwierigkeiten. Dazu kommen neue Bilanz- und Eigenkapitalvorschriften, die auch nicht gerade auf das deutsche Traditionsmodell zugeschnitten sind.

Viele Konzerne bringen daher aus eigenem Antrieb neue Produkte auf den Markt – ein Beispiel liefert die Axa mit ihrer Offensive in Deutschland. Diese Angebote sind meist näher am Markt als die klassische Lebensversicherung, muten dem Sparer damit aber oft auch mehr Risiken zu. Und wenn sie Schwingungen der Finanzmärkte abdämpfen, dann eher – wie Fonds oder Zertifikate – über die Terminmärkte als durch ein traditionelles, vorsichtiges, aber letztlich nur schwer hundertprozentig sicheres Kapitalmanagement.

Die Branche steht so vor großen Herausforderungen: Sie muss gegenüber Fondsgesellschaften ihr Profil wahren. Aber die Anleger haben eine größere Auswahl und erfahren mehr über die Produkte, mit denen sie für den Lebensabend sparen. Die Welt ist für sie komplizierter geworden, aber letztlich auch besser.

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