Bulle & Bär
Mittelmaß schlägt Megatrend

Es ist selbst für erfahrene Anleger derzeit nicht einfach, angesichts der in immer schnellerer Abfolge ausgerufenen Megatrends den Überblick zu behalten. Für Anleger lohnt es sich, die galoppierende Inflation der Megatrends kritisch zu prüfen. Denn Vieles spricht gegen die Suche nach dem optimalen Mega-Trend.

DÜSSELDORF. Verspricht nun der Megatrend Bric eine höhere Rendite als der Megatrend Agrarrohstoffe? Schlagen Ökoinvestments langfristig die Demografie-Profiteure? Bricht nun das asiatische Jahrhundert an, das Jahrhundert der Infrastruktur - oder das Jahrhundert der asiatischen Infrastruktur?

Eine Reihe von Gründen spricht dafür, im Zweifel lieber einem einfachen und kostengünstigen internationalen Aktien- oder Indexfonds den Vorzug zu geben, statt Zeit und Gebühren für die Suche nach den optimalen Megatrend-Investments zu verschleudern.

Erstens bedingen sich zahlreiche Megatrends in hohem Maße gegenseitig. Das gilt zum Beispiel für die zu Megatrends stilisierten Anlagemotive Globalisierung, Schwellenländer, Bric und Rohstoffe: Die Globalisierung treibt die Überschüsse der Schwellenländer, deren Nachfrage die Rohstoffpreise. Mit Russland und Brasilien wiederum sind zwei der vier Bric-Volkswirtschaften stark von Rohstoffexporten und damit-preisen abhängig. Diese Kette der Megatrends ist daher nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Zweitens fahren Anleger mit den längst ebenso globalisierten Konzernen in Dax und Euro-Stoxx nicht wesentlich schlechter als mit Megatrend-Investitionen, wenn diese Kette hält. Sie dürften aber im Hinblick auf die Gebühren günstiger und mit Blick auf das Nervenkostüm bei Korrekturen langfristig ruhiger segeln.

Drittens ist die Welt der Megatrends nicht so eindimensional, wie bunte Balkengrafiken in Marketingbroschüren suggerieren. Kaufen etwa Anleger im großen Stil Pharmawerte, Klinikbetreiber und Kreuzfahrtaktien, um vom Megatrend Demografie zu profitieren, droht ein böses Erwachen: Explodieren die Gesundheitsausgaben, weil die Menschen immer älter werden, reizt dies jede Regierung, doch lieber gleich das Gesundheits- und Pflegesystem zu verstaatlichen, statt den Pharmakonzernen und ihren Aktionären dicke Gewinne über Jahre zu bescheren. Und bis auch Kreuzfahrtbetreiber jenseits des messerscharfen Wettbewerbs und des konjunkturellen Auf und Abs spürbar von einer strukturell höheren Nachfrage durch reiselustige Senioren profitieren, fließt noch viel Wasser unter den Schiffskielen durch.

Viertens ist schon die galoppierende Inflation der Megatrends an sich kein gutes Zeichen. Es genügt ein Blick auf die Prognosegüte rund um Megatrends der späten 90er-Jahre - Internet, Biotech, Medien, Telekommunikation - zu sehen, dass wirtschaftliche Trends und Aktienkurse zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Und dass es immer dann gefährlich wird, wenn kaum noch jemand Zweifel an künftigen Marktbewegungen hegt und es letztlich nur eine Frage der Geduld ist, bis sie tatsächlich eintreten werden.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%