Bulle und Bär
Münchener Rück: Ideales Angriffsziel

Während die Börse sich wieder beruhigt, gehen die Anleger auf Schnäppchenjagd. Billig geworden sind in den letzten Wochen die Finanztitel - vor allem die Banken. Aber bei letzteren weiß eben auch keiner so genau, ob sie nicht doch noch unangenehme Überraschungseier in den Bilanzen haben.

DÜSSELDORF. Versicherer sind auch billig zurzeit, aber nicht ganz so riskant. Selbst wenn sie doch ein paar faule Risiken im Vermögen haben sollten, können sie das Problem besser aussitzen als Banken, weil ihre Kunden meist durch langfristige Verträge gebunden sind. Außerdem erleichtert ihnen das etwas höhere Zinsniveau die Neuanlage von Kundengeldern.

In Deutschland ist die Münchener Rück einen Blick wert. Schon im Juli sagte ihr Chef Nikolaus von Bomhard, er sei von Hedge-Fonds auf eine mögliche Zerschlagung angesprochen worden, die er aber abgelehnt habe. Zur Münchener Rück gehört die Holding Ergo, unter der große Versicherer wie Victoria und Hamburg-Mannheimer gebündelt sind, was immer wieder Anlass zu Spekulationen über eine Abspaltung gibt.

Damals schätzte von Bomhard den Anteil des Kapitals, der bei Hedge-Fonds liegt, auf bis zu 15 Prozent. Er kündigte hohe Ausschüttungen und Aktienrückkäufe an, um dem Druck der Hedge-Fonds zu begegnen. Im August gab es dann Meldungen, ein arabischer Fonds interessiere sich dafür, bis zu 20 Prozent des Unternehmens zu kaufen. Arabische Investoren sind zurzeit ja sehr aktiv, bieten zum Beispiel für die Börse OMX in Stockholm.

Im Grunde ist die Münchener Rück ein ideales Angriffsziel für Investoren. Und zwar aufgrund ihrer Stärken wie auch ihrer Schwächen. Die Stärken sind bekannt: eine gute Position auf dem internationalen Rückversicherungsmarkt und mit Ergo auf dem deutschen Erstversicherungsmarkt. Dazu kommt, dass sie systematisch einzelne Geschäftsbereiche ausbaut, etwa den Bereich der mit Versicherungsrisiken unterlegten Anleihen oder den US-Gesundheitsmarkt.

Zu den Schwächen zählt die niedrige Marktkapitalisierung von weniger als 30 Milliarden Euro. Dazu die hohen Geldreserven, die jedenfalls die Gier möglicher Angreifer ansprechen. Und dann die offensichtliche Möglichkeit, den Konzern in zwei Bereiche - Erst- und Rückversicherung - zu zerschlagen. Ob das sinnvoll wäre, ist zwar durchaus zu bezweifeln. Aber allein die Möglichkeit würde aktivistischen Hedge-Fonds, wenn sie sich nach der gegenwärtigen Finanzkrise wieder aus dem Busch trauen, gute Argumente geben.

Für die Münchener ist diese Situation etwas unangenehm. Für Anleger aber durchaus von Vorteil. Wenn sie Glück haben, treibt irgendwann ein aktiver Investor den Kurs hoch. Außerdem sorgt die Angst in München dafür, dass das Management auf Trab bleibt. Dazu kommt: Die Aktie ist so günstig bewertet, dass damit sogar leicht rückläufige Erträge noch abgedeckt wären.

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