Bulle & Bär
MVV Energie: Komplexes Eigenleben

Als die MVV Energie AG im Februar 1999, mitten im Boom der New Economy, den Gang auf das Börsenparkett wagte, war das Gelächter unter vielen Privatanlegern groß. Heute lacht niemand mehr. Die Aktie hat seitdem nicht nur ordentlich zugelegt, sondern führt ein bemerkenswertes Eigenleben, in dem die Trends an den Finanzmärkten keine Rolle spielen.

DÜSSELDORF. Die New Economy boomte, und die Kombination aus kommunalem Versorger, städtischem Großaktionär und einem Börsengang klang eher wie der verzweifelte Versuch von Emissionsbanken, die grassierende Zeichnungseuphorie für den schnellen Euro zu nutzen.

Heute, knapp zehn Jahre später, lacht niemand mehr. Satte dreizehn Prozent Rendite erzielten Anleger inklusive Dividenden seit dem Börsengang 1999. Der Dax schaffte im gleichen Zeitraum nur knapp drei Prozent. Die Aktie kommt nicht nur auf einen Börsenwert von 2,1 Mrd. Euro, sondern führt ein bemerkenswertes Eigenleben, in dem die Trends an den Finanzmärkten keine Rolle spielen. Experten sprechen auch von einer niedrigen Korrelation zum Gesamtmarkt, die sich im Fall MVV leicht erklären lässt: Es gibt kaum Abgabedruck, pro Tag gehen im Schnitt gerade einmal 20 000 Aktien im Wert von gut einer halben Mill. Euro um. Auch derzeit notiert die MVV-Aktie nur fünf Prozent unter ihrem Allzeithoch. Weder die Finanzkrise noch die Korrektur der großen Versorger RWE und Eon konnten den Kurs unter Druck setzen.

Im Hinblick auf die Bewertung führt dies zu einer bemerkenswerten Konstellation. So ist die MVV derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 bewertet. Die Branchenriesen Eon und RWE kommen auf KGVs von rund 12. Auch im Hinblick auf die Kennziffer des Unternehmenswerts zum Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen errechnet sich für die MVV eine Prämie auf die Bewertung von Eon und RWE zwischen 20 und 30 Prozent.

Das ist ambitioniert für ein Unternehmen, dessen Veränderung des Jahresüberschuss zum Vorjahr vor allem vom Wetter abhängt. Bei kaltem Wetter wie im abgelaufenen Winterhalbjahr kann die MVV die Wärme aus dem eigenen Großkraftwerk teuer als Fernwärme verkaufen.

Analysten bescheinigen dem MVV-Vorstand unisono eine exzellente Arbeit. Dass aber auch sie inzwischen mit der luftigen Bewertung der im SDax notierten Aktie Schwierigkeiten haben, illustriert, dass nur noch zwei von acht Analysten zum Kauf raten. Selbst die beiden Optimisten sehen Kursziele von 35 und 36 Euro, was verglichen mit dem aktuellen Kurs von 32 Euro kaum Aufwärtspotenzial signalisiert.

Das gilt auch für die bei Versorgern wichtige Dividendenrendite: Sie beträgt im Schnitt der Erwartungen der Analysten 2,8 Prozent bei der MVV Energie, allerdings vier Prozent bei Eon und 5,5 Prozent bei RWE. Die Ausschüttungsquoten aller drei Unternehmen liegen dabei bei vergleichbaren 50 bis 60 Prozent des Nettogewinns. Für einen Kauf drängt sich daher die MVV-Aktie aktuell nicht auf. Anleger tun gut daran, auf eine Korrektur zu lauern, mit der die Bewertungsaufschläge des Papiers auf Gesamtmarkt und Konkurrenz abgebaut sind.

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