Bulle & Bär
Mythos der "besten" Fonds

Die typische Beratungssituation: Der Kunde fragt nach dem "besten" Investmentfonds. Der Berater holt ein Produkt aus der Schublade, meist noch eines aus dem eigenen Hause. Oft kann er die Bewertung eines unabhängigen Analysehauses mit über den Tisch reichen. Das gibt ein gutes Gefühl bei der Entscheidung.

FRANKFURT. Und an Bewertungen ist kein Mangel. Mehr als ein Dutzend Analysehäuser bieten so genannte Ratings an: Feri, S&P, Lipper, Morning-star, Sauren, Fonds Consult, Citywire und so weiter.

So herrscht Verwirrung. Die einen vergeben nur Noten an die "besten" Fonds, die anderen beurteilen alle Produkte. Die einen benoten nach der Anteilspreisentwicklung und deren Schwankungen, die anderen ziehen Gespräche mit den Managern vor und bilden sich dann ihr Urteil. Es geht um Performance, Risiko, Volatilität, Sharpe-Ratios und viele andere Fachtermini. Die Ratinghäuser versuchen, aus den historischen Wertentwicklungen Hinweise auf die Erfolgswahrscheinlichkeit in der Zukunft abzuleiten. Genau diese Überlegung steckt hinter vielen Ratings.

Der Anleger kann dabei in eine verhängnisvolle Falle tappen. Das „Gütesiegel“ Rating suggeriert: Geprüft und für gut befunden. Aber ein gutes Fondsurteil ist keine Garantie auf Verlustausschluss oder überdurchschnittliche Ergebnisse in der Zukunft. Diese Ratings reflektieren auch nicht die relative Attraktivität von Finanzmärkten. So liefen Ende der neunziger Jahre viele Aktienfonds wegen der Wertpapierhausse prächtig und hatten gute Noten. Und das, obwohl die Märkte überhitzt waren.

Fazit: Den „besten“ Fonds gibt es nicht. Das ist ein Mythos. Allerdings gibt es gute und weniger gute. Ratings sind daher eine Entscheidungshilfe beim Fondskauf – nicht mehr und nicht weniger. Daran sollten Anleger denken in einer Zeit, in der sie wieder zaghaft nach Aktienfonds zu greifen beginnen.

narat@handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%