Bulle & Bär: Nebenwerte
Irreführender TecDax

Technologieaktien genießen in Deutschland bekanntlich keinen guten Ruf. Seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes im Jahr 2000 heftet hierzulande vielem, was im Tech-Bereich passiert, ein Makel an. Kein Wunder, dass der TecDax, der den skandalgeschüttelten Auswahlindex Nemax 50 vor mittlerweile gut fünf Jahren abgelöst hat, auch heute noch ein Schattendasein führt.
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FRANKFURT. Unrecht tun die Anleger dem Index mit ihrer Missachtung nicht. Seit seiner Einführung hinkt der TecDax den anderen wichtigen deutschen Indizes hinterher. Zudem hat die Deutsche Börse den TecDax seit der Jahrtausendwende mächtig umgekrempelt. Werte aus den TMT-Branchen - Telekom, Medien und Technologie -, die damals en vogue waren, sind in den vergangenen Jahren reihenweise aus dem Index gepurzelt.

Für das Image des TecDax ist das zwar positiv. Dennoch kommt der TecDax des Jahres 2008 nicht überzeugend daher. Denn die Neuausrichtung des Index hat zu einer extrem einseitigen Fokussierung auf den Bereich der erneuerbaren Energien geführt. Mit Centrotherm, Conergy, Ersol, Phoenix Solar, Q-Cells, Solarworld und Solon kommen aktuell sieben der 30 TecDax-Werte aus der Solarbranche. Mit Nordex und Repower kommen zwei Windkraftunternehmen dazu. Gemeinsam bringen es die neun Aktien auf ein Index-Gewicht von fast 40 Prozent, wobei alleine Q-Cells und Solarworld jeweils für mehr zehn Prozent stehen.

Und damit nicht genug: Morgen wird der Solaranlagenbauer Roth & Rau seine beeindruckende Börsenkarriere, die vor zwei Jahren im schwach regulierten Entry Standard begann, krönen und den vor der Übernahme stehenden Digitallandkarten-Anbieter Tele Atlas im TecDax ersetzen. Damit nähert sich dieser weiter dem kleinen Bruder Öko-Dax an, den die Deutsche Börse ebenfalls berechnet.

Das Auf und Ab des TecDax wird ohnehin schon längst von den erneuerbaren Energien bestimmt, wie die vergangenen Tage exemplarisch gezeigt haben. Am Freitag stützte die Nachricht, dass Solarstrom künftig weiter gefördert wird die Aktien der Branche, am Montag trieb die anstehende Übernahme von Ersol die Kurse nach oben. Jedes Mal schoss auch der TecDax nach oben, obwohl das Börsenklima insgesamt mau war und auch die Mehrheit der Index-Mitglieder im Minus notierte.

Dass der TecDax kein guter Indikator für die Stimmung im breit gefassten Technologie-Segment ist, zeigt auch sein Eigenleben im Vergleich zum weltweiten Tech-Leitindex Nasdaq. Damit ist er jedoch für Anleger, die mit Indexfonds oder-zertifikaten auf die Entwicklung des TecDax setzen können, im Grunde genommen nutzlos. Wer sich generell für Tech-Werte interessiert, kommt hier zu kurz, weil die - oft durch Sonderfaktoren bestimmte - Entwicklung der Öko-Aktien alles andere überlagert. Und wer sich für Solar- und Windkraftaktien interessiert, findet im Öko-Dax eine bessere, weil klar fokussierte Messlatte.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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