Bulle & Bär
Neue Besen kehren doch nicht immer gut

Immer jünger werden die deutschen Vorstände, und immer häufiger werden sie ausgewechselt. Dies errechnete die Unternehmensberatung Booz Allen pünktlich zum Vorstandswechsel bei der Deutschen Telekom. Das Durchschnittsalter der Neuen sank seit 2003 von 52 auf 46 Jahre. Und mehr als die Hälfte aller Vorstandschefs muss hier zu Lande mittlerweile wegen mangelnder Leistung vorzeitig den Hut nehmen.

DÜSSELDORF. In der übrigen Welt erreichen immerhin noch zwei Drittel aller Vorstandschefs das vereinbarte Ende ihres Arbeitsvertrags. Hinter der deutschen Hire-and Fire-Politik steckt wohl die Vorstellung, dass neue Besen besser kehren und ein neuer Chef dem Aktienkurs zum lang ersehnten Auftrieb verhelfen kann.

Das stimmt leider nur manchmal. Ein Paradebeispiel, wie wichtig die Führungsperson sein kann, liefert Daimler-Chrysler. Dort hat im vergangenen Jahr die Nachricht, dass Dieter Zetsche kommt und Jürgen Schrempp geht, einen Kurssprung ausgelöst, der noch viele Monate nachwirkte. Denn der Konzern hatte eindeutig ein Führungsproblem. Schrempp hatte es geschafft, mit seinem großen Ego einen vorher glänzend dastehenden Konzern herunterzuwirtschaften. An seinem Nachfolger schätzt die Investorengemeinde den Pragmatismus und den eher bescheidenen Auftritt.

Doch schon ein Blick auf das Konkurrenzunternehmen VW zeigt, dass Führungswechsel an den Märkten oft wenig bewirken. Die Aktie hat sich seit Bekanntwerden des Austauschs von Bernd Pischetsrieder durch Martin Winterkorn am vergangenen Dienstag kaum bewegt. Dem früheren Audi-Chef Winterkorn wird offenbar nicht zugetraut, dass er bei VW den notwendigen Sanierungskurs fährt. Auch bei Infineon oder Karstadt haben neue Chefs den Kurs nicht nachhaltig nach oben treiben können.

Dagegen haben über lange Zeit stabile Führungskonstellationen dem Kurs häufig sehr gut getan. Die Münchener Rück ist seit 1970 mit nur drei Vorstandschef ausgekommen und hat ähnlich wie die Allianz mit ihrer Beständigkeit in dieser Zeit die meisten anderen Dax-Firmen hinter sich gelassen. Porsche hat seit 1993 Wendelin Wiedeking an der Spitze, der Kurs hat sich seither versechzehnfacht.

Frische Vorstände können vor allem dann nicht viel ausrichten, wenn das Umfeld sehr schwierig geworden ist. Bei Coca-Cola hat es seit Anfang 2000 zwei Führungswechsel gegeben, ohne dass der Kurs davon groß profitiert hätte. Der Konzern stößt schlicht an seine Wachstumsgrenzen. Und bei Ford ist der Kurs nach dem Abtritt von Bill Ford im September nur einen halben Tag lang nach oben gegangen. Die Zahlen sind so schlecht, dass der Kurs auch unter Nachfolger Alan Mulally kräftig abgesackt ist. Schlechte Karten hat wohl auch der neue Telekom-Chef René Obermann. Mit dem mörderischen Preiswettbewerb in seiner Branche wird er genauso zu kämpfen haben wie seine Vorgänger.

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