Bulle und Bär
Neue Firmennamen: Tafkap lässt grüßen

Kennen Sie noch Tafkap? Als "The Artist formally known as Prince" gab sich Prince Rogers Nelson, wie der US-Musiker wirklich heißt, wegen Vertragsstreitigkeiten mit seiner damaligen Plattenfirma Warner Media zwischen den Jahren 1992 und 2000 aus. Jeder wusste, dass es Prince war, nur der Name tauchte offiziell nicht mehr auf. Beim Blick auf den Kurszettel fühlen sich derzeit manche Börsianer an die Tafkap-Epoche erinnert.

FRANKFURT. Acandor und Kuka, also "The Company formally known as Karstadt-Quelle bzw. IWKA", notieren neuerdings im MDax. Die Namensgebilde sind vielen aber noch lange nicht bekannt, deswegen werden die alten Namen der Einfachheit halber wie selbstverständlich weiter benutzt.

Auch Börsenneulinge haben es schwer, obwohl ihr alter Name nie bzw. schon lange nicht mehr börsennotiert war. MDax-Aufsteiger Tognum ist für viele immer noch MTU Friedrichshafen. Bei Gerresheimer folgt einem Automatismus gleich weiterhin der Zusatz "Glas". Evonik, ehemals RAG und davor unter einer Reihe anderer Namen bekannt, steht bereits in den Startlöchern in Richtung Börse.

Die Strategie der Manager, die hinter den Namenswechseln steht, ist klar: Der neue Name steht für Aufbruch; er soll vieles an Altem vergessen lassen und stattdessen Freiraum für neue Strategien lassen. Blöd nur, wenn der alte Name so geläufig ist wie beispielsweise bei Karstadt-Quelle; jeder Anleger kann seit frühester Jugend etwas mit dem Namen anfangen. Richtig schwer wird es, wenn der neue Name gar so komisch klingt wie Arcandor.

Hilfreich, um irgendwann ohne umständliche Erklärung doch Eingang in den täglichen Sprachgebrauch der Börse zu finden, ist die Größe der gelisteten Gesellschaft. Der Kunstname Eon ist mittlerweile so etabliert, dass sich bestenfalls noch Historiker erinnern, dass der Versorger einst aus Viag und Veba entstanden ist. Längst vergangen sind auch die Zeiten, als die drei Dax-Werte Deutsche Post, Deutsche Postbank und Deutsche Telekom als "Post" noch eins waren.

Als Material für heitere Raterunden taugt hingegen die Umbenennung von Nebenwerten, die in ihrer ursprünglichen Form schon keine große Bekanntheit hatten und mit den neuen Namen bestenfalls noch Fans bekannt sind. So wie der Chip-Händler Azego, der einst am Neuen Markt ACG hieß. Oder Xing, die als Open BC an die Börse gingen.

Die Verwirrung über das babylonische Sprachgewirr, das inzwischen bei etlichen Aktien herrscht, ist deshalb nicht verwunderlich. Dabei wäre es doch so einfach: Ähnlich wie bei neugeborenen Kindern sollte nur das als Name in Frage kommen, was man auch auf Anhieb versteht. Muss man hingegen die stolzen Eltern erst fragen: "Und wie buchstabiert man das?", dann ist dies ein Zeichen, dass weniger mehr gewesen wäre. "Tafkap" heißt heute übrigens wieder Prince.

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