Bulle & Bär: Neue Herunterstufungen in Sicht

Bulle & Bär
Neue Herunterstufungen in Sicht

Die Ratingagenturen werden bald wieder für Schlagzeilen sorgen. Wachstumsprognosen und Schuldenquoten verändern sich zu schnell, auch ein schwaches Krisenmanagement könnte bald zu neuen Abwertungen führen.
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FrankfurtSchon allein die Zahl ist erschreckend: Die großen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch haben in diesem noch jungen Jahr insgesamt bereits 20-mal den Daumen über die 17 Euro-Länder gesenkt und ihnen schlechtere Bonitätsnoten verpasst. Im Fokus standen dabei vor allem drei Länder: Spanien mit den um zwei Stufen gesenkten Ratings bei allen drei Agenturen, Italien mit Herabstufungen um jeweils ein bis zwei Noten und Frankreich, das bei S&P das Spitzenrating „AAA“ verlor und von den anderen Agenturen zumindest einen negativen Ausblick für das Toprating bekam.

Das Ganze traf die Anleger immerhin nicht unvorbereitet, sondern mit Ansage: S&P hatte im Dezember offiziell 15 Euro-Länder auf die Prüfliste für eine Herabstufung gesetzt, Fitch sechs. Moody’s dagegen beließ zunächst die Ratings und Ausblicke der Euro-Länder, wie sie waren, kündigte aber an, alles zu prüfen – und kam nach der Konkurrenz ebenfalls mit einem Abstufungsrundumschlag.

Eben weil die Herabstufungen die Investoren nicht unvorbereitet trafen und zudem die Märkte von der immensen Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Geschäftsbanken profitieren, schadeten die Massenherabstufungen den Ländern am Anleihemarkt bislang nicht. Im Gegenteil: Die Kurse der Staatsbonds sind seit Jahresanfang weiter gestiegen und die Renditen im Gegenzug gesunken. Zehnjährige Anleihen aus Italien rentieren mit 5,4 Prozent, spanische mit 5,1 und französische mit drei Prozent. 

Trotzdem sollten Investoren jetzt nicht den Fehler machen, zu denken, dass erstens Ruhe an der Ratingfront ist und zweitens Herabstufungen ohnehin nichts bewirken. Beides ist nicht der Fall. So haben die Ratingagenturen den Ländern insgesamt mehr als 30 negative Ausblicke für die Ratings gegeben. Das lässt Böses ahnen.

Theoretisch können die Ratings nach Definition der Agenturen zwar auch bei negativen Ausblicken um die anderthalb Jahre stabil bleiben. Aber die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass dies nicht eintritt. Zu schnell verändern sich die zugrunde liegenden Fakten wie zum Beispiel die Prognosen für Wirtschaftswachstum und Schuldenabbau. Auch das aus Sicht der Ratingagenturen schwache Krisenmanagement der Politiker der Euro-Zone könnte bald für noch schlechtere Ratings sorgen.

Ob die Investoren jedoch auf eine weitere Herabstufungswelle eingestellt sind, ist zweifelhaft und deshalb könnte sie die Anleihen unter Druck bringen. Das gilt umso mehr, weil viele Länder aus einigen Anleihe-Indizes fallen werden, wenn es mit den Ratings weiter nach unten geht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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