Bulle & Bär
Neuemissionen: Die Stunde der Marktschreier

Das Gezerre um die ersten Börsenkandidaten nach der Sommerpause erinnert an einen Gesangswettbewerb, bei dem die lauteste Stimme den Preis bekommt.

FRANKFURT. Konkret geht es im Moment darum herauszufinden, wer seine Preisvorstellungen am ehesten durchsetzen kann: die Käufer, also Fondsgesellschaften und andere Großinvestoren, oder die Verkäufer, sprich die Unternehmen sowie Banken und Berater, die am Börsengang verdienen.

Diese unklaren Marktverhältnisse sind neu. Bis Mai dominierten die Verkäufer. Wacker Chemie und Patrizia Immobilien erzielten dabei Preise für ihre Aktien, die selbst auf Verkäuferseite für Erstaunen sorgten. Als anschließend der Markt kippte, hatte mit einem Schlag die Käufer das Sagen. Dem passten die Börsenkandidaten entweder ihre Preisvorstellungen an wie beispielsweise Demag Cranes. Oder sie sagten die Emission ab wie Wacker Construction. Wer der Stärkere und wer der Schwächere war in der jeweiligen Phase, war aber jedesmal eindeutig.

Jetzt ist es anders. Banken bejubeln ihre Börsenkandidaten und glänzen bei den Bewertungen nicht mit allzu großer Zurückhaltung. Fondsmanager kontern beinahe grundsätzlich mit der Forderung nach niedrigeren Preisen. Beide Seiten wissen: Die ersten Emissionen werden entscheidend sein für das gute Dutzend, das bis zum Jahresende noch folgen soll.

Das führt mitunter zu grotesken Szenen. Als am Montag das 70-Mann-Unternehmen BDI Biodiesel zum ersten Mal an der Börse notiert wurde, hielt sich deren Kurs lange um den Ausgabepreis von 58 Euro, ehe er in der letzten Handelsstunde bis auf 54,80 Euro nach unten geprügelt wurde. Wer die Verkäufer waren, ist offiziell nicht bekannt. Dass sie so am nächsten Tag die Zeile „Verpatztes Börsendebüt bei BDI Biodiesel“ auslösten, dürfte ihnen jedoch klar gewesen sein.

Doch die BDI-Aktie zog gestern wieder deutlich an. Das wird diejenigen gefreut haben, die schon in Kürze mit Emissionen aus dem Bereich Biokraftstoff an den Start gehen. Crop Energies kommt noch in dieser Woche, und Verbio will zumindest weitere Details zur Emission nennen. Zudem kündigte gestern der Berliner Biodiesel-Produzent Ecodasa die Erstnotiz seiner Aktien für das vierte Quartal an.

Konkret geht es bei diesen Werten um die Frage: Werden die Aktien der Biokraftstoff-Hersteller die nächsten Überflieger an der Börse? Investmentbanker sagen ihnen eine ähnliche Zukunft wie den Solarwerten voraus. Fondsmanager rügen hingegen die starke Abhängigkeit von staatlichen Förderprogrammen. Von der Nachhaltigkeit der Anlagen sind jedoch auch sie überzeugt. Sonst würden sie sich nicht so intensiv mit dem Thema befassen. Letztlich geht es für sie einzig um die Frage: Wie billig decke ich mich ein und wie stark ist meine Position dadurch in den nächsten Monaten?

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