Bulle & Bär
Nicht aus purer Geilheit

Geiz ist geil. Wer kennt ihn nicht, den Spruch, mit dem der Elektronikmarkt Saturn jahrelang Kunden anlocken konnte. Das war einmal. Wenn Geiz überhaupt jemals geil gewesen ist, dann ist er es jetzt nicht mehr.

FRANKFURT. Ablesen lässt sich das am Aktienkurs von Metro – Mutterkonzern von Saturn und sozusagen Erfinder des fragwürdigen Werbeslogans. Seit Monaten kennt der Kurs des Einzelhändlers nur noch eine Richtung: nach unten.

Das Geschäft läuft nicht mehr wie früher. Die Menschen halten ihr Geld nicht aus purer Geilheit beisammen, sondern weil sie Angst vor einer Weltwirtschaftskrise haben. Niemand denkt darüber nach, sich einen hochmodernen Flachbildfernseher anzuschaffen, wenn er um seinen Job fürchten muss. Kaufen auf Pump und Ratenzahlung sind im Moment auch nicht so angesagt. Weil die Kunden davonlaufen, muss Metro reagieren. Ein Sparprogramm mit dem schönen Namen „Shape 2012“ ist bereits beschlossene Sache. Weltweit sollen 15 000 Stellen gestrichen werden.

Vor allem in Osteuropa, wo Metro rund ein Viertel seines Umsatzes macht, droht das Geschäft wegzubrechen. Die Schwäche der osteuropäischen Währungen von Forint bis Rubel lässt den Umsatz schmelzen. Außerdem wird der wirtschaftliche Abschwung in Osteuropa vermutlich noch heftiger ausfallen als anderswo. An sich keine ganz neue Erkenntnis. Aber weil jetzt auch die Ratingagentur Moody's in einem Kommentar darauf hingewiesen hat, rücken die Risiken im Osten plötzlich ins Blickfeld.

An der Börse findet man solche Aussichten gar nicht geil. Die Anleger verscherbeln zurzeit alles, was nur entfernt mit Osteuropa zu hat. Ganz oben auf der Verkaufsliste stehen die Aktien von Metro. Gestern verloren die Papiere an der Frankfurter Börse rund fünf Prozent, in etwa so viel wie am Tag zuvor. Inzwischen kostet ein Anteilsschein nur noch 23,70 Euro. Vor nicht allzu langer Zeit war der noch über 60 Euro wert. Das war im Sommer 2007. Seitdem hat die Finanzkrise die Welt verändert – und Sparsamkeit ist zur Tugend geworden.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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