Bulle & Bär
Nicht ohne meinen Bankberater

Das Vertrauen deutscher Fondsanleger in ihre Bankberater ist offenbar unerschütterlich. Trotz massiver Wertverluste in vielen Depots kaufen Anleger ihre Fondsanteile weiter brav bei den Bankern. Es drängt sich jedoch die Frage auf, wie lange die Anleger ihren Bankberatern noch die Treue halten.

ANKE REZMER | FRANKFURT

Das Vertrauen deutscher Fondsanleger in ihre Bankberater ist offenbar unerschütterlich. Trotz massiver Wertverluste in vielen Depots kaufen Anleger ihre Fondsanteile weiter brav bei den Bankern. Seit Jahren werden rund 72 Prozent der Fonds über Banken und Sparkassen abgewickelt, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für den deutschen Fondsverband BVI ermittelt hat. Anlageberatung bleibt demnach für drei Viertel der Fondsbesitzer wichtig. Unter Anlegern, die keine Fonds halten, schätzen sogar über 80 Prozent das Gespräch mit dem Berater.

Generell scheinen deutsche Anleger treue Seelen zu sein: Zwar zogen sie 2008 zig Milliarden Euro aus Fonds ab. Aber die Investoren verabschieden sich nicht ganz von der Anlageklasse, vielmehr sitzen sie Verluste aus. Laut GfK hatten Mitte vergangenen Jahres wie in den Vorjahren rund 16 Millionen Bürger Investmentfonds in ihren Depots. Die meisten Fondsbesitzer halten solche Anlagen seit mindestens zehn Jahren. Auf den aktuell niedrigen Börsenniveaus scheint es - außer für Schwarzseher - allerdings auch kaum noch Sinn zu machen, Buchverluste zu realisieren.

Es drängt sich jedoch die Frage auf, wie lange die Anleger ihren Bankberatern noch die Treue halten. Aktuell ziehen Sparer es vor, neues Kapital auf Konten und Sparbüchern zu parken. Wenn Anleger nun tatsächlich so qualitäts- und kostenbewusst sind, wie sie bei der GfK angeben - demnach achten die meisten beim Fondskauf auf gute unabhängige Rankings und die Höhe der Kosten -, müsste bald Bewegung in den Fondsvertrieb kommen.

Ein Anleger könnte sich beispielsweise fragen, wie viel der Berater konkret an ihm verdient. Außer der Kaufgebühr, dem bei größeren Anlagesummen ohnehin verhandelbaren Ausgabeaufschlag, bekommt der Vermittler meist einen Anteil der jährlichen Managementgebühr. Auf Anfrage muss der Berater diesen Anteil beziffern. Wer auf Qualität Wert legt, sollte verlangen, dass der Bankberater nicht nur hauseigene Fonds anbietet.

Generell schadet es nicht, Alternativen für den Fondskauf wie Direktbanken, andere Vermittler, Fondshäuser oder Börsen zu prüfen. Die unverfänglichste Beratung gibt es gegen Honorar. rezmer@handelsblatt.com

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