Bulle & Bär
Nicht von Vergleichen blenden lassen

Wer die Kommentare von Fondsmanagern liest, könnte meinen, am Markt für Unternehmensanleihen sei alles prima.

FRANKFURT. „Relativ unbeeindruckt von den Kursrückgängen an den Staatsanleihemärkten konnten sich die Spreads an den Unternehmensanleihemärkten auf Indexebene bis dato sehr gut halten“, schreibt zum Beispiel Martin Engstler von HSBC Trinkaus Capital Management in seinem aktuellen Marktbericht. Spontan eingängig ist das für den Laien nicht. Man muss schon zweimal um die Ecke denken, um zu verstehen, dass „stabile Spreads auf Indexebene“ per se nicht unbedingt etwas Gutes verheißen.

Spreads sind Renditeaufschläge, in diesem Fall von Unternehmensanleihen mit einem noch guten Rating im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen. Im Schnitt liegen die Spreads bei 0,55 Prozentpunkten und sind damit nach wie vor niedrig. Daraus lässt sich allerdings noch lange kein Optimismus ableiten. Die Kurse von Staatsanleihen sind in diesem Jahr gefallen, und im Gegenzug sind die Renditen gestiegen. Genau das gilt aber auch für die Unternehmensanleihen. Und nur deshalb sind die Renditeabstände gleich geblieben. Unter dem Strich haben Investoren in diesem Jahr mit Unternehmensanleihen bislang Verluste gemacht, und zwar – gemessen am Index der US-Investmentbank Merrill Lynch – knapp ein Prozent.

Und die Verluste könnten in diesem Jahr noch anwachsen. Die meisten Banken empfehlen, Unternehmensanleihen unterzugewichten, weil sie die Renditeaufschläge für zu niedrig halten. Höhere Renditeaufschläge gibt es aber nur, wenn entweder die Renditen der Unternehmensanleihen steigen oder die Renditen der Staatsanleihen wieder kräftig sinken, während die Firmenbonds stabil bleiben.

Dabei ist das erste Szenario das Wahrscheinlichere. Viele Unternehmen gehen wieder auf Einkaufstour und wollen Konkurrenten übernehmen. So will BASF den US-Katalysatorhersteller Engelhardt kaufen, Eon und Gas Natural kämpfen um den spanischen Versorger Endesa, Mittal Steel bietet für Arcelor, der Pharmakonzern Merck für Schering und Linde für den britischen Gasehersteller BOC. Das wird nicht ohne Auswirkungen auf die Ratings der Zukaufswilligen bleiben. Denn die Zukäufe erhöhen die Verschuldung, und das ist schlecht für die Bonität und damit auch für die Anleihen.

Dazu kommt der Trend zu so genannten Leveraged Buy Outs (LBOs), bei denen Finanzinvestoren Unternehmen kaufen und den Kauf durch deren Überschuldung stemmen. Die Liste der LBO-Kandidaten wird immer länger, prominente Namen sind zum Beispiel British Telecom oder KPN.

Privatanleger sollten sich deshalb nicht von den vergleichenden Betrachtungen und den – noch – stabilen Spreads blenden lassen. Firmenbonds zu kaufen, ergibt derzeit keinen Sinn.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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