Bulle & Bär
No Future

Der alte Sponti-Spruch, dass die Zukunft auch nicht mehr das ist, was sie früher mal war, trifft mehr und mehr auf die Dax-Werte zu. Der Grund: Immer weniger der deutschen Top-30-Werte geben eine konkrete Ergebnisprognose für das laufende und das kommende Jahr ab. Das jedenfalls geht aus einer Studie der Hamburger Beratungsgesellschaft Kirchhoff hervor.

FRANKFURT. Nicht einmal die Hälfte der Dax-Konzerne geben demnach in ihren Geschäftsberichten an, welches Ergebnis sie im Folgejahr erwarten. Nur jedes dritte Unternehmen äußert sich gar zum anvisierten Umsatz. Und das, obwohl der Deutsche Rechnungslegungsstandard zur Lageberichterstattung eigentlich einen mindestens zweijährigen Ausblick vorschreibt.

Nun darf munter spekuliert werden, warum die Dax-Konzerne in diesem Fall immer zurückhaltender werden. Zum einen dürfte es daran liegen, dass punktgenaue Prognosen in den zuletzt so boomenden Zeiten immer schwerer vorherzusagen waren. Mindestens in den letzten vier Jahren hätten die meisten Unternehmen unter dem gelegen, was sie zu Jahresbeginn vorhergesagt haben. Das wäre an sich ganz angenehm, könnte man dem Aktionär zum Jahresende doch sagen, es wäre alles viel besser gelaufen als erwartet.

Die Crux an der Sache ist jedoch: Dann muss der Ausblick für das Folgejahr mindestens die Steigerungsraten des abgelaufenen Jahres zeigen, am besten noch etliche Prozent mehr. So hoch wollen sich viele Unternehmen aber die eigene Messlatte gar nicht legen. Ist ihnen doch bewusst, dass die letzten Jahre eine Ausnahmesituation darstellten, die in nicht allzu ferner Zeit zur Normalität übergehen kann. Und dann droht die dicke Schlagzeile: "Unternehmen x verfehlt die eigenen Prognosen." Das Pendel, das vorher umso höher ausgeschlagen hat, würde umso mehr zurück schlagen.

Des weiteren kommt hinzu, dass die Unternehmen selbst keine allzu große Lust zur Transparenz und den damit verbundenen Fragen verspüren und diese wenn möglich gerne vermeiden. Bei der Allianz, der Deutschen Post, MAN, der Münchener Rück, der Postbank, RWE, SAP und der Telekom hat die Transparenz im letzten Jahr nachgelassen, weil vermutlich von Investorenseite der Druck nicht groß genug war.

Den gab es jedoch bei den fünf Konzernen, die ihre Transparenz erhöhten: Altana musste sich nach der Aufspaltung in Pharma und Chemie neu positionieren, die Deutsche Bank der weltweiten Übernahmewelle stellen, die Deutsche Börse den Hedge- Fonds, Tui möglicherweise interessierten spanischen Hotelketten und VW dem verschärften Blick der Aktionäre nach den Vorstands- und Aufsichtsratsskandalen des vergangenen Jahres.

Bleibt die Frage, warum Adidas, Fresenius Medical Care und Thyssen-Krupp so völlig unüblich seit Jahren hohe Transparenz zeigen. Vielleicht, weil dort das Verständnis vom Umgang mit den Anteilseigner weitaus besser entwickelt ist als anderswo.

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