Bulle & Bär
Noch nicht das letzte Wort beim Gold!

Der Anstieg des Goldpreises ist immer noch eine Hausse ohne großen Aufmerksamkeitswert: Nach fünf Jahren stetiger Klettertour pendelt die Notierung um die optisch wichtige Marke von 500 Dollar je Unze (etwa 31 Gramm). Doch die breitere Öffentlichkeit und auch die professionellen Kapitalmarktanalysten zeigen nach wie vor wenig Interesse an dem Edelmetall.

HB FRANKFURT. Das dürfte sich am Jahresende ändern. Dann wird Bilanz gezogen. Und in der Liste der attraktivsten Anlageformen für 2005 dürfte Gold weit oben stehen. Der Euro-Anleger hat nach der Dollaraufwertung gegenüber dem Euro heute schon einen Wertgewinn von 31 Prozent in seinen Büchern stehen. Das macht Lust auf mehr. Und die Chancen auf weitere Gewinne stehen nicht schlecht.

Weltweit gibt es etliche Antriebskräfte für die Hausse. Viele Börsianer unterschätzen allerdings einige stimulierende Faktoren und erkennen Signale für die Zeitenwende pro Gold nicht in ihrer Dimension.

Da sind zunächst die Notenbankverkäufe, die in der Vergangenheit Preisanstiege verhinderten. Noch vor einigen Jahren verschleuderte beispielsweise die Bank von England hunderte Tonnen zu Tiefstpreisen unter 300 Dollar je Unze: Gemessen an den heutigen Preisen entstand dadurch ein katastrophaler Verlust von zwei Milliarden Pfund. Die Ära der „gezielten Vernichtung von Volksvermögen“, wie manche Gold-Enthusiasten meinen, ist nun vorbei. Einige Notenbanken wollen ihre Bestände gar aufstocken, bei anderen gibt es Spekulationen darüber. Erst Mitte November machte sich der russische Präsident Wladimir Putin für eine Erhöhung der eigenen Goldreserven stark. Die Zentralbanker des Landes bestätigten jetzt die neue Marschrichtung.

Südafrika, Korea und Argentinien gelten ebenfalls als Kaufkandidaten, China und Japan könnten sich dazu gesellen. Laut Martin Siegel, Berater des Goldminenfonds PEH Q-Goldmines, würde der Goldpreis bei 700 Dollar stehen, würden die Zentralbanker nur ihre Verkäufe stoppen.

Unterschätzt wird auch das noch immer unterentwickelte, wenn auch rasant steigende Interesse von Anlegern. Derzeit sind Investoren schätzungsweise nur mit einem halben Prozent ihres Kapitals in Gold investiert. In den 70er-Jahren galten fünf bis zehn Prozent als Daumenregel. Das lässt viel Raum für zusätzliche Nachfrage.

Den beginnenden Paradigmenwechsel spiegelt ganz aktuell die offensive Politik in der wichtigen Goldumschlagsregion Mittlerer Osten wider. Das Emirat Dubai eröffnete Mitte November eine Gold- und Rohstoffbörse, die als Handelsdrehscheibe fungieren soll. Die Initiative zielt vor allem auf die großen Goldnachfrageländer Indien und Pakistan. In Indien senkte die Regierung übrigens vor wenigen Tagen die Mehrwertsteuer auf Gold, macht damit das Metall noch attraktiver. Ein Goldpreis von 500 Dollar sollte noch lange nicht das letzte Wort sein.

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