Bulle & Bär
Ober sticht Unter

Weder um den Ruf der WestLB noch um den der Société Générale ist es derzeit zum Besten bestellt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Aktienstrategen beider Häuser in den letzten Tagen mit mutigen Äußerungen zur Lage an den Kapitalmärkten an die Öffentlichkeit gingen, die ebenfalls alles andere als erfreulich ausfallen.

FRANKFURT. Zuerst hatten die Strategen der WestLB ihre Prognose für den Gewinnzuwachs deutscher Unternehmen von sechs Prozent auf vier Prozent gesenkt, gestern bekamen sie Unterstützung von ihren Kollegen von der Société Générale, die in einer Studie feststellten, dass die von den Analysten erwarteten zehn Prozent an Gewinnzuwachs in diesem Jahr in Europa und die 16 Prozent für die USA "unrealistisch hoch" sind.

Zwei Dinge sind dabei erwähnenswert: Zum einen machen die Aktienstrategen zweier angeschlagener Banken ungeachtet der Turbulenzen in ihren Häusern weiter "ihren Job" und scheuen dabei auch keine unbequemen Wahrheiten. Noch erstaunlicher ist indes, dass es derzeit in vielen Banken wegen der Ausrichtung der Anlagestrategie erhöhten Redebedarf unter den Experten gibt. Kernkonflikt ist dabei, dass die Spezialisten für die Gesamtstrategie weitaus skeptischer gestimmt sind als die Summe der Analysten für die jeweiligen Einzelwerte. Denn während die noch an hohe Gewinnzuwächse glauben, haben erstere ihre Erwartungen längst nach unten geschraubt. Oder anders ausgedrückt: Das anvisierte Ergebnis passt nicht mehr zur Summe der einzelnen Positionen.

Die Konsequenz daraus ist denkbar einfach: So wie in Bayern die Devise gilt, dass "der Ober den Unter sticht", werden sich viele Analysten wohl demnächst nach den Erkenntnissen ihrer Experten für die Gesamtmarkt-Strategie richten müssen. Das heißt, sie werden ihre Gewinnprognosen ebenfalls nach unten anpassen. Wenn nicht jetzt sofort, dann eben nach Vorlage der Unternehmenszahlen für das abgelaufene Jahr und dem Ausblick für das laufende Jahr.

Das hätte weitreichende Folgen. Galt der gesamte Aktienmarkt bisher in Erwartung weiterhin hoher Gewinnsteigerungen als günstig bewertet, so ändert sich diese Einschätzung schlagartig, sobald dem aktuellen Kurs nicht mehr das Gewinnplus wie bisher gegenübersteht. In gewisser Weise haben die Unternehmens-Analysten darauf zwar schon reagiert. Seit Beginn der Bilanzsaison kam es nach den Berechnungen der Société Générale in Europa anschließend bei 22 Prozent der Unternehmen zu Herabstufungen, während es nur in zwölf Prozent der Fälle zu Hochstufungen kam. Ähnlich sieht das Verhältnis in den USA aus. Die entscheidende Frage wird deshalb sein, inwieweit das Pendel bis zum Ende der Bilanzsaison Ende März noch zu Gunsten der Herabstufungen ausschlägt. Ernst zu nehmen ist derzeit jede Studie, die einen Gesamtüberblick liefert. Auch wenn die aus einem Haus kommt, um dessen Ruf es aktuell nicht gut bestellt ist.

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