Bulle & Bär
Ölpreis – na und?

Gerade mal einen halben Tag hat der Schreck über das neue Rekordhoch des Ölpreises angehalten. Die europäischen Aktienmärkte reagierten zunächst mit Kursverlusten in Höhe von knapp einem Prozent. Doch am Abend war alles schon wieder vergessen.

DÜSSELDORF. Die US-Notenbank kam mit der Nachricht, dass ihre Zinserhöhungen bald ein Ende haben. Sofort legte die Wall Street eine Rally hin. Europa zog am nächsten Morgen nach. Als Argument für einen schwachen Börsentag wird das teure Öl häufig angeführt. Doch viel spricht dafür, dass der Ölpreis die Aktienkurse nicht nachhaltig beeinflusst.

Auf die Gewinne der Unternehmen hat der Ölpreis nur einen vergleichsweise geringen Einfluss. Denn verglichen mit der letzten großen Ölkrise hat die Bedeutung von Erdöl für die Produktion merklich abgenommen. Eine Verdoppelung des Ölpreises würde den deutschen Unternehmen einen Kostenanstieg um lediglich drei Prozent bescheren, errechnete das Researchteam der Fondsverwaltung Dit. Hinzu kommt: Die höheren Kosten wirken sich erst mit deutlicher Zeitverzögerung aus, weil die meisten Unternehmen gegen Ölpreisverteuerungen abgesichert sind.

Auch die Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau und die Zinsen sind eher moderat. Schon seit einem Jahr bewegt sich der Ölpreis deutlich über 50 Euro je Fass. Doch die Inflationsrate beträgt europaweit lediglich 2,2 Prozent, in Deutschland liegt sie bei 1,8 Prozent. Die Gefahr, dass die Teuerung am Konsum zehrt, ist damit begrenzt. Experten rechnen damit, dass der Ölpreis mit Ende des Winters bald wieder deutlich unter der Marke von 70 Euro notieren wird. Nach oben werde er 75 Euro nicht überschreiten. Solch ein Preisniveau ist in den Kursen längst berücksichtigt.

Allerdings sind diese Rechnungen ohne den Effekt geopolitischer Krisen gemacht. „Entscheidend ist, aus welchem Grund der Ölpreis steigt“, sagt Aktienstratege Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank. Gehe der steigende Ölpreis mit einer anziehenden Konjunktur einher, überwiegten die positiven Effekte. Reflektiere er aber gestiegene politische Risiken, führe das zu einer Verunsicherung auf den Aktienmärkten. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA als Grund für einen gestiegenen Ölpreis ist demnach durchaus bedenklich.

Bis auf 100 Dollar sehen im schlimmsten Fall Analysten den Ölpreis schon steigen. Ob das kommt, ist allerdings fraglich. Weder der Iran noch die USA dürften an einer weiteren Zuspitzung des Konflikts interessiert sein.

Möglich ist, dass die Aktienkurse höher wären, wenn der Ölpreis nicht auf die Stimmung drückte. Doch ein größerer Kurseinbruch droht vorerst nicht. Anleger sollten durchaus beobachten, was nach dem Ultimatum der Uno am 28. April geschieht. Bis dahin soll Teheran seine Urananreicherung einstellen. Zur Panik besteht jedoch kein Grund.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%